Monatsarchiv: September 2007

Erwin Hubers erste Worte und Edmund Stoibers letzte Worte als Ministerpräsident

Wohl dem, der sich da an ganz böse Zeiten erinnert fühlt!

Erwin Huber ist neuer Ministerpräsident von Bayern.

Mit “50 Jahren Regierungserfahrung - ununterbrochen!” - soll die CSU “als einzig wählbare Volkspartei” weitere Wahlen - es stehen 4 weitere Wahlen in naher Zukunft an - regieren.

Die CSU sei eine “eigenständige Kraft”, man werde “gegen Rot-Rot weiterkämpfen”.

Erwin Huber spricht von “sozialistischen Kräften, die unser Land bedrohen”. Er zitiert “lieber rot als tot” und setzt diesem Zitat “Freiheit statt Sozialismus” entgegen.

Er spricht von der “Doppelspitze Beckstein - Erwin Huber.”

Die CSU werde auch mit Frauen weiter regiert werden, aber man solle nicht gegeneinander arbeiten (Anspielung auf Frau Pauli). Es dürfte keine unterschiedlichen Meinungen in de CSU gebe. Stattdessen geschlossene Einheit!

Er stehe nach Art. 6 auf “dem Boden von Ehe und Gemeinschaft”. Das Grundgesetz sei nicht veränderbar.(Warum möchte die CSU es dann mit der Diskussion um den Abschuss von entführten Flugzeugen ändern?!) Nach 7 Jahren eine Ehe scheiden zu lassen, sei grundgesetzwidrig. Das sei auch nicht kinderfreundlich. Huber poltert es heraus. Das ist jetzt eine klare Anspielung auf Frau Pauli.

Immer wieder die Betonung, die CSU sei eine “große Volkspartei”. Er erinnert an Franz Josef Strauß…wie er zu ihm sagte: “Ja, Herr Ministerpräsident, ich bin bereit, diesem Land zu dienen.” Er sei nun bereit, “für unser schönes Bayern, für dieses Land zu dienen”.

Zitate von Stoiber: …ich wollte das Erbe dieser großen Partei weiterführen. Es war mir eine Ehre, und ich hoffe, ich bin dieser Ehre gerecht geworden…was bleibt ist unsere Leidenschaft für unsere Ämter…ich gebe das Amt mit Ehre und Stolz an die Partei zurück…und die CSU ist ein Stück Bayern, und das ist unsere Größe!…ich habe der CSU viel zu verdanken…im Dienste von Bayern, dem schönsten Bundesland von Deutschland…ich denke an Franz-Josef Strauß, wie er für unsere Freiheit gekämpft hat….es geht nicht um Eitelkeiten, Deutschland steht am Scheideweg… die Linken koalieren auch mit der Linkspartei…wir müssen den Menschen sagen, wo auch immer Sozialisten an der Macht waren, hat es Not gegeben…..”

Kommentar von Gisela B. Laux: Diese Zitate sprechen für sich! Die Sprache ist pathetisch, hetzerisch, populistisch und voller Anspielungen. Gespickt mit Worten aus den Bereichen Militärstrategie und Heroentum und alten, plakativen Zitaten. Eine sehr gefährliche Sprache! Und eine Sprache, die uns in Erinnerung als extrem verheerend geblieben sein müsste und aus der die Wähler Bayerns unbedingt die Konsequenzen bei den nächsten Wahlen ziehen müssten.

Anti-Terror-Pläne von Schäuble und Jung

Führen „Einzelmeinungen“ unser Grundgesetz ad absurdum?

 

Grundgesetz, Gesetz über das Bundesverfassungsgericht:
X a. Verteidigungsfall: Artikel 115 a (1)

(1) Die Feststellung, dass das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht (Verteidigungsfall) trifft der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates. Die Feststellung erfolgt auf Antrag der Bundesregierung und bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen, mindestens der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) forderten am Mittwoch im Bundestag vergeblich eine „Regierungserklärung zur inneren Sicherheit, um Klarheit über die Haltung der Regierung zu gewinnen. Doch: Frau Merkel äußert sich nicht.

Es handelt sich hier um die Forderung, dass die Streitkräfte dazu ermächtigt werden sollen, mit Waffengewalt ein entführtes Flugzeug abzuschießen. Das bedeutet auch, dass damit eine eindeutige Entscheidung gegen das Leben von Menschen getroffen werden soll.

Da dies aber nicht unserem Grundgesetz entspricht, soll es diesbezüglich „überarbeitet“ werden.

Es sollen Äpfel nicht mit Birnen verglichen werden, aber würde diese Änderung stattfinden, wäre das nicht der erste Bruch mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Einem Herr Peter Hartz samt „Kompetenzteam“ ist es bereits gelungen, folgenden Grundsatz zur Makulatur werden zu lassen:

Artikel 12 - Grundrechte
(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen…
(2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
(3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

Die sogenannten Ein-Euro-Jobs sind nicht anderes als Zwangsarbeit, die gegenüber der Öffentlichkeit durch das Motto „Fördern und Fordern“, oder umgangssprachlich und weitläufiger bekannt unter „Besser arbeiten als Stütze empfangen“ legitimiert werden sollen.

Zurück zum Thema „Terrorismusbekämpfung“ und der damit verbundenen Forderungen einzelner Politiker.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Uwe Küster bezeichnet die verfassungsignorierenden Forderungen Schäubles und Jungs „Einzelmeinungen“, da diese nicht die Position der Regierung repräsentieren. In der Tat: Wie bereits erwähnt, äußert sich Bundeskanzlerin Merkel nicht einmal dazu. Das Bundesverfassungsgericht hat indes schon eindeutig per Urteil darüber entschieden, dass der absurde Vorschlag des Mitglieds eines Verfassungsorgans, also von Herrn Jung und des Bundesinnenministers „mit dem Grundrecht auf Leben und mit der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes nicht vereinbar“ ist.

Artikel 1 – Grundrechte
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (Anmerk. d. Autorin: Hier ist selbstverständlich nicht Gewalt durch Waffen gemeint!)
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Völlig ungeachtet dessen arbeitet Herr Schäuble derzeit unverdrossen an einem Katalog von Formulierungsvorschlägen für eine Änderung des Grundgesetzes.

„Pannenfreie Überwachung von Tätern“ will Schäuble auch durch Onlinedurchsuchungen privater Computer. Vor dreißig Jahren, als die RAF mörderische Terrorakte verübte wurde darüber diskutiert, wo die Grenzen der Mittel der Staatsmacht, also der „staatlichen Gewalt“ liegen und wo die Beschränkung der bürgerlichen Freiheiten liegen. Die damaligen Gesetzesverschärfungen bezogen sich auf den Katalog der Straftaten und die Regeln des Strafprozesses. Doch diese Erfahrung bringt uns, was die Jung-Schäuble’sche Forderung betrifft nicht weiter.

Die Zeit bringt hier sehr entscheidende Stichworte in der Terrorismus-Debatte mit ein: „Sanktion“ und „Prävention“ und schreibt: „…vielmehr geht es um ein verbrecherisches Treiben, das nicht mit der Drohung nachträglicher Sanktionen, sondern durch rechtzeitige Prävention eingedämmt werden kann. Aber ….es geht um den Schutz des Rechtsstaats, nicht um die Errichtung eines Präventionsstaats“.

Die Forderung von Jung und Schäuble, die selbst in der eigenen Partei nicht auf uneingeschränkte Gegenliebe stösst, beinhaltet nämlich – trotz aller schockierenden Eindeutigkeit – etwas Subtiles. Wird ihr nämlich stattgegeben, müssen wir damit rechnen, dass durch einzelne Personen, die Schlüsselpositionen in der Politik innehaben, unser Grundgesetz nicht mehr das ist, was es dem Wortsinne nach ist. Das Grundgesetz: Die Basis für alle unsere Gesetze. Der kleinste gemeinsame Nenner, der uns Allen die gleichen Rechte einräumt. Der das Leben Aller schützt.

Die Neue Marktwirtschaft

Nachfrage schaffen – Billig anbieten – Kreditgeschäfte abwickeln

Massenhysterie im Media Markt Berlin. Menschen rempeln sich um Zwei Uhr Nachts MEZ gegenseitig an. Es kommt zu heftigen Ausschreitungen. Es erinnert an die Chaostage in Hannover. Die elektrischen Rollläden an den Eingangstüren der Niederlassung werden heruntergelassen, die letzten hundert Kunden werden in einem verwüsteten Ambiente abkassiert.

Das Ereignis gibt dem Begriff Konsumterror eine neue Bedeutung. Ursprünglich besagt der Begriff, dass ein Konsumbedürfnis geschaffen wird, dass auf den Endverbraucher wie ein Sog wirkt, dem er sich nicht entziehen kann. Aber der massenhafte Kundenansturm im Berliner Mediamarkt bezeichnet die ungezügelte Gier, jetzt und hier etwas günstig zu bekommen, was man sowieso schon zu Hause hat. Zum Beispiel ein TV-Gerät für „unter 500 Euro“. Mit dieser Preisschwelle werben derzeitig andere Unternehmen. Und obwohl diese Summe etwa ein Viertel des tariflichen, monatlichen Durchschnittslohns eines Angestellten oder Arbeiters beträgt, sind die Konsumenten bereit, sich auf die vermeintlichen Schnäppchen zu stürzen, als sei ein Notstand ausgebrochen.

Bei offiziell 3,43 Millionen Arbeitslosen laut dem Statistischen Bundesamt verwundert es nicht, dass es auch einen Markt für Verbraucher gibt, die Produkte auf der Basis von Ratenzahlungen erwerben. Die Ratenzahlung, also die Zahlung per Kredit ist in großen Unternehmen gang und gäbe. Meist ist sie im Endergebnis teurer als der Barkauf. Doch, um den Konsumenten auch diese Entscheidung zu erleichtern, läuft die Abwicklung des Einkaufs per Kredit vergleichsweise unbürokratisch ab. Bei vorausschauender Betrachtung würde man davon absehen; denn einmal vertraglich abgewickelte Kredite, die man nicht tilgen kann, führen den Verbraucher in eine Schuldenfalle. Es fallen Zinsen an, die nach Jahren den Schuldensatz um einen meist zweistelligen Prozentsatz erhöhen.

Trotz der auch jährlich anwachsenden Privatinsolvenzen schreckt das die Konsumenten nicht ab. Auch nicht die Controlling-Center der Unternehmen, die im Insolvenzfall mit einem sogenannten Null-Geschäft rechnen müssen, also damit, dass der Kunde seine Schulden nicht begleicht.

Der Kunde hat die Möglichkeit eine Verkaufsentscheidung abzuwägen. Diverse Internetseiten bieten die Möglichkeit des Preisvergleichs an. In Foren kann man sich Bewertungen über Produkte anschauen. Wissen ist Macht?

Mittlerweile gibt es so viele Angebote und so kurze Abstände von Produktlaunches, also Produkteinführungen, dass der Kunde schlicht und einfach immer der Aktualität der gerade gewonnenen Information hinterherhinkt.

Hinzu kommen Berichte über das Preis-Leistungsverhältnis von Konsumgütern, die sich zum Teil widersprechen oder die korrigiert werden. Ist ein Bioprodukt für unsere Gesundheit unabdingbar? Sollen wir lieber mehr zahlen, um gesünder zu leben? Angesichts sich wiederholender Reportagen über „Gammelfleisch“ wird der Konsument zu solchen Fragen forciert. Ähnliches erleben wir mit dem Aufruf, der an uns Alle gerichtet ist, dass wir Produkte verwenden sollen, die schadstoffarm sind. Aber, wer kann sich einen „schadstoffarmen“ PkW leisten? Und wer kann sich die Steuerlast eines PkW’s leisten, der ein hohes Maß an Schadstoffen ausstößt?

Es werden in einer schier unübersichtlichen Zahl Multimediaprodukte auf den Markt geworfen, kostenaufwendig mit Ausstellungen und Werbung auf allen Ebenen präsentiert und: Gekauft!

Brauchen das die jeweiligen Konsumenten wirklich? Und für was? Für Kommunikation und Information? Für ihre Sicherheit? Oder für ihre Psyche? Die Industrie kennt die Antwort längst.

Die Bedürfnisse für die Produkte, die in ihrem Ursprungswert sehr gering sind, werden zu Preisen angeboten, die den Unternehmen eine vergleichsweise immense Rendite einbringen. Dem Kunden aber wird suggeriert, dass, wenn er sich beeilt, er dieses Produkt zu einem „supergünstigen Preis“ erhält. Der Kunde glaubt es und kauft.

Hier noch ein paar Fakten zur wirtschaftlichen Situation in unserem Land, entnommen aus Daten des statistischen Bundesamtes:

Arbeitsmarkstatistik:

Nach Ergebnissen der Arbeitsmarktstatistik nach dem Konzept der internationalen Arbeitsorganisation (ILO-Konzept) gab es im Durchschnitt des Jahres 2006 39,0 Millionen Erwerbstätige mit Wohnsitz in Deutschland. Das waren 257 000 Personen oder 0,7 % mehr als ein Jahr zuvor, nachdem im Jahr 2005 die Beschäftigung noch um 0,1 % im Vorjahresvergleich zurückgegangen war. Gleichzeitig waren in Deutschland im Jahr 2006 durchschnittlich 3,43 Millionen Personen erwerbslos, 461 000 (11,8 %) weniger als im Jahresdurchschnitt 2005.

Im 2. Quartal 2007 lag die Arbeitslosigkeit bei 3 825 000. Gegenüber dem Vorjahresquartal wurden im 2. Quartal 751 000 oder 16% weniger Arbeitslose gezählt, nach -793 000 im 1. Quartal und -535 000 im 4. Quartal 2006.

Insolvenzen:

Es werden monatlich bundesweit durchschnittlich etwa 13.500 Insolvenzen durchgeführt. Die Anteile sind wie folgt im Durchschnitt verteilt: Etwa 2.400 Insolvenzen von großen Unternehmen, 8.500 Insolvenzen von Verbrauchern, 2.250 von ehemals selbständig Tätigen und etwa 380 Privatinsolvenzen monatlich von sogenannten „natürlichen Personen“.

Preise am Beispiel der Butter:

Butter (Quelle: www.destatis.de)
(Mehrwertsteuersatz unverändert bei 7%)
Preisabstand in Prozent gegenüber Juni 2006

Butter Preisentwicklung

Um das Kaufverhalten, Consumer Behaviour, zu analysieren, wurden Payback- Karten eingeführt. „Pay Back“ signalisiert dem Kunden, dass er, wenn er Etwas konsumiert, zur Belohnung Etwas dafür als Geschenk erhält. In Wirklichkeit aber wird er beobachtet. Sein Verhalten wird analysiert und neue Strategien werden entwickelt, um sein Kaufverhalten zu manipulieren.

Dies drückt „Wikipedia“ folgendermaßen aus: „Die gespeicherten Daten werden zur Erstellung von Kundenprofilen genutzt und im Rahmen des Kundenbeziehungsmanagements zur Kommunikation mit dem Kunden und zur Anpassung des Leistungsangebots verwendet.“

Im Endeffekt wird der Kunde einem System angepasst und fremdbestimmt. Das merkt nicht einmal ein Kunde, der einen anderen Kunden körperlich attackiert, um an das begehrte Produkt zu gelangen.

Eine falsche Siegermentalität führt zu einem derartig letztlich fremdbestimmten Verhalten. Also doch „Konsumterror“ im üblichen Sinne? Gegen eine Politik der Fremdbestimmung hilft nur Eines: Nicht in einen künstlich geschaffenen Wettbewerb zu begeben, um so einem Strudel von Verpflichtungen zu entgehen, der Einem über den Kopf wächst und von dem Andere profitieren.

Rezept von Men’s Health: Delegieren Sie Ihren Hausarzt

Zeitnahe und kompetente Behandlung für Kassenpatienten?

KrankenhausUnd da besagte Zielgruppe sich freiwillig in Geiselhaft der Tipps von Men’s Health begibt, muss ich a.s.a.p., also as soon as possible erfahren, in welche Richtung die Kerle denn gerade geleitet werden. Ich begebe mich sozusagen an die Quelle.

Mal abgesehen davon, dass der Leitartikel „Endlich alle Frauengeheimnisse aufgedeckt“ einiger Kommentare meinerseits dringend bedürfe, um die von Men’s Health fehlgeleiteten „Jungs“ wieder einzunorden, machten mich die Tipps für Kassenpatienten, die eine Behandlung auf dem Niveau von Privatpatienten möchten, so richtig nachdenklich.

Auf geht’s!

„Patient 1. Klasse – So haben Sie beim Arzt beste Karten“.

Der Autor dieses Artikels ist eine Frau: Meine Kollegin Kirsten Segler.

Nachdem Sie Ihren Lesern noch einmal den Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient ins Gedächtnis ruft – von wegen unterschiedliche Wartefristen für einen Termin usw. - rät sie, so man akute Beschwerden zu beklagen hat, dass man den Hausarzt darum bitten soll, einen anderen Arzt zu kontaktieren, weil: „Fachärzte und deren Mitarbeiter glauben einem Kollegen mehr als Patienten“. Kaum glaubt der geneigte Leser einen wertvollen Tipp bekommen zu haben, warnt ihn Frau Segler: „Solche Tricks verschaffen Ihnen aber nur selten den erhofften Vorsprung. Im Gegenteil: Auch Sprechstundenhilfen kennen die Masche, und es macht sie nicht kooperativer, wenn sie sich für dumm verkauft fühlen“.

Ja, Roger Cicero. Am Ende haben Sie Recht. „Fraun’ regiern’ die Welt“.

Frau Segler klärt uns darüber auf, dass Ärzte nur ein bestimmtes Budget für Kassenpatienten haben und – sollten sie dieses überschreiten – müssen sie die Behandlung am Patienten aus eigener Tasche zahlen.

Ich kenne das schon. Ich habe schon mal bei einem Ex-Chirurgen, der sich mittlerweile als „Allgemeinarzt“ und „Sportmediziner“ verdingt, einen weinerlichen Zettel, der im Wartezimmer angebrachtwar, lesen müssen. Man würde von ihm Regress fordern, da er sein Kontingent überschritten habe. Und man solle bitte nur dringend notwendige Behandlungen von ihm einfordern. Das war ein Anschlag im doppelten Sinne, der gegen uns Kassenpatienten gerichtet war.

Ich kondoliere ungern einen Arzt wegen seiner vorgeschobenen, finanziellen Schwierigkeiten, wenn ich selbst eine Magen-Schleimhautentzündung zu beklagen habe. Mein Leidenskontingent ist irgendwann nämlich auch einmal erschöpft.

Die Leidensfähigkeit von Men’s Helth Lesern muss dagegen ungleich groß sein. Wo doch die Männer sonst wegen jedem Wehwechen gleich jammern! Ja ja: Ausnahmen bestätigen…usw.usf.

Kirsten Segler doziert über „Mischkalkulationen von Ärzten“ – ist das ein Kurs in medizinische Betriebswirtschaft? – und bringt ein kleines Lexikon für „Gesundheitsdeutsch“. Sehr nett. Schön fand ich den Begriff unter „O“: „Off-Label-Use: So nennt man den Ersatz von Medikamenten gegen andere Erkrankungen als die, für die sie eigentlich zugelassen sind“.

Das klingt ja mafiös! Ich nenne das Missbrauch von Medikamenten. Und das ist erlaubt? Diese Vokabel kommt mir eher so vor, als sei es ein Auszug aus dem literarischen Klassiker „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“!

Die von Frau Segler empfohlene Strategie gegen Beschiss beim Verschreiben eines Rezeptes: „Information und Kooperation. Finden Sie einen Arzt, dem Sie vertrauen und folgen Sie seinen Therapie-Empfehlungen.“

Wenn Sie mich jetzt beim Lesen dieser Stelle des Artikel gesehen hätten, hätten Sie mich bei einem sehr unvorteilhaften Blick ertappt: Stellen Sie sich einen sehr erstaunten Gesichtsausdruck vor: Ein langes Gesicht, mit einem vor Erstaunen heruntergezogenen Unterkiefer, die Lippen zusammengepresst und zu einem kleinen Kreis gespitzt, die Augen dagegen weit aufgerissen. Ich sagte ja. Unvorteilhaft. Jedes Frauenmagazin würde mich vor zu häufigen Gebrauchs einer solchen Mimik warnen, da Gefahr vor nicht mehr zu kompensierender Faltenbildung.

Wegen dieser leichten Unpässlichkeit, in die mich der Artikel meiner Kollegin brachte – nebenbei: ich bekomme panische Angst davor, den Glauben an die Fähigkeit von Männern mittlerer bis gehobener rationaler und emotionaler Intelligenz, kognitive Prozesse souverän zu bewältigen, frei von flacher, gewinnorientierter Beeinflussbarkeit – lese ich das Folgende quer und lasse es nun zu, über weitere intellektuelle Unwägbarkeiten dieses banal-journalistischen Etwas lediglich zu stolpern.

Zack: Und da haben wir’s schon. Die Weisheit aller Weisheiten, erinnert sie mich doch an das Niveau des 60er-Jahre Ratgebers „Liebeskunst und Eheglück“ (von dem unsäglichen Dr. Ferdinand Harvey). Ich zitiere:

„Doch auch mit dem umfangreichsten Wissen bewaffnet, können Sie einen Arzt nicht zwingen, Ihnen ein bestimmtes Präparat zu verordnen“.

Eine Frau gibt Männern Tipps und lotst sie in den Tunnel der Resignation. Und ich dachte immer, fiese Männer sind das Ergebnis von fiesen, hätschelnden Müttern, die ihren Söhnen einen Freibrief für Alles geben, eine Allround-Absolution.

Ich habe mich geirrt. Von dieser Erkenntnis muss ich mich jetzt erst einmal erholen, ganz im Sinne von Frau Segler, die ihren Artikel mit der Erkenntnis schließt, dass Heilung ein starkes Argument ist, sofern man eine Klage für adäquate, medizinische Behandlung gewinnen will.

(Das Foto ist von www.aboutpixel.de)

Bundesregierung geht vom Sommerurlaub in den Winterschlaf - Wenn’s fit hält

Ein Kommentar von Gisela B. Laux

In Grönland braucht Frau Merkel kein Eis zum Schmelzen zu bringen. Das geschieht dort ganz von selbst und das ist nicht gut so.

Foto by Gisela B. Laux Gar nicht gut ist, dass Eiszeit in der Sozialpolitik Deutschlands ausgebrochen ist. Und das nicht erst seit gestern, sondern seit dem 1. Januar 2005. Seitdem hat das Gesetz, das die Kommission mit der euphemistischen Bezeichnung “Das vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen” unter dem Namensgeber Hartz, Hartz IV genannt, ins Leben gerufen hat, Millionen Menschen nahezu enteignet und sie einen Großteil ihrer bürgerlichen Rechte beraubt.

Wer von Hartz IV betroffen ist, ist ein “Underdog”, ein Außenseiter. Und das schon alleine aufgrund weniger, aber folgenschwerer Fakten. Hier nur einige Beispiele, die die Spitze des Eisberges darstellen:

Hartz-IV Betroffenen, landläufig, Hartz IV-Empfänger oder Alg II-Empfänger (abgeleitet von Arbeitslosengeld II) genannt, steht nach über einjähriger Arbeitslosigkeit nur noch die Zahlung der Kaltmiete plus der Heizkosten und ein Betrag von 345 Euro in den alten Bundesländern zu. Hartz IV beinhaltet, dass statt Arbeitslosenhilfe nunmehr Arbeitslosengeld II ausgezahlt wird. Sie ist mit dem Satz der Sozialhilfe identisch. Zuständig für die Vermittlung von Arbeitsplätzen und die Auszahlung des Arbeitslosengeld II sind die sogenannten Arbeitsgemeinschaften aktiv. Eine Zusammenfassung des Arbeits- und des Sozialamtes. Sie wird mit “Arge” abgekürzt. Menschen, die länger als 1 Jahr arbeitslos sind, sind sozialrechtlich “Langzeitarbeitslose”.

Im Jahr 2006 begann die Diskussion über den Begriff der “Unterschicht”. Man erfand die Bezeichnung “Prekariat”, zusammengesetzt aus “Proletariat” und “prekär”. Eine völlig sinnlose Aktion, die die Hartz IV Betroffenen in eine neue, diskriminierende Diskussion brachte. Diese Art Diskussion und Propaganda, in der Hartz IV Betroffene nicht selten als “Schmarotzer” bezeichnet wurden, katapultierte diese endgültig ins soziale Aus, sodass deren Chancen auf einen Platz in der Gesellschaft nahezu völlig vereitelt und ihnen jede weitere Existenzplanung ad absurdum geführt wurde.

Ein Rechenbeispiel, wie man mit 345 Euro pro Monat - trotz gestiegener Mehrwertsteuer und Lebensmittelkosten - auskommen muss:

  • Essen
  • Trinken
  • Körperpflegeartikel (Zahncreme, Duschgel, Shampoo, Bodylotion, Deo)
  • Reinigungspflegemittel für die Wohnung
  • Strom
  • Kleidung
  • Fahrtkosten
  • Zuzahlung von Arzneimitteln und (zahn-)ärztlichen Behandlungen
  • Tiernahrung
  • Papier (weiteres Büromaterial)
  • Telefonkosten
  • wenn etwas Defektes ersetzt werden muss

Man kann sich auch als Hartz IV Betroffener selbstständig machen. Aber auch hier wurden sehr fragwürdige Hürden eingebaut, die eine völlige Unabhängigkeit von der Arge, die übrigens die Rechtsform “GbR” und “GmbH” tragen extrem erschweren, was völlig unverständlich ist. So wird, je nach Region und je nach Entscheidung einzelner Sachbearbeiter der Arge Institute entweder 172 Euro pro Monat oder 345 Euro für ein halbes Jahr bis zu 24 Monaten gewährt.

Als Freiberufler unter Hartz IV Bedingungen darf man nur 99 Euro Gewinn ohne Abzug für sich behalten. Man muss an die Arge 80% seines Gewinnes abgeben, wenn Gewinne zwischen 100 Euro und 799 Euro erzielt werden. Ab Gewinnen von 800 Euro behält die Arge 90% ein.

Traditionell stammen die Hartz IV Betroffenen nicht zwangsläufig aus Familien, die schon seit Generationen sozialbedürftig waren. Es sind dies zu einem hohen Prozentsatz Frauen über 40 mit einer hohen beruflichen Qualifikation. Eine hierarchische Unterscheidung von Bedürftigen mit unterschiedlicher Biographie ist eine weitere Diskriminierung.

Menschen, die Arbeitslosengeld II - Anspruch haben und zu einem Partner ziehen, der ein Einkommen hat (egal, wie niedrig), erhalten weder Arbeitslosengeld II, noch eine Krankenversicherung. Deren Kinder auch nicht! Derzeitig leben 3,5 Millionen Kinder auf Hartz IV Niveau!

Hartz-IV-Betroffene dürfen pro Jahr nur Geschenke im Wert bis insgesamt 50 Euro erhalten, sonst machen sie sich strafbar und werden sanktioniert. Das bedeutet, dass sie mindestens 1 Monat kein Geld erhalten!

Informationen über Rechte und Pflichten erhalten Hartz IV Betroffene in spärlichem Maß. Das schützt sie aber keineswegs vor Strafmaßnahmen, wenn sie unwissentlich Rechtsverletzungen begangen haben. So wurde zum Beispiel der Rentenanteil, ohne dass die Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt wurden, im Januar 2006 halbiert. Ersparnisse dürfen bei Antragsstellung lediglich im Rahmen von bis zu 150 Euro pro Lebensjahr erhalten bleiben, sonst hat man auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Das änderte sich klammheimlich im August 2006. Zuvor hatte man einen Anspruch auf Selbsterhalt von 200 Euro/Lebensjahr. Menschen, die davon erfuhren, erledigten voller Panik noch die letzten Einkäufe von wichtigen Anschaffungen. Die, die nicht davon erfuhren, mussten auf ihr Geld (wiederum ohne ihr Wissen) verzichten. Wer wider besseren Wissens “erwischt” wurde, mehr zu besitzen, wurde ebenfalls sanktioniert.

Die Kanzlerin kämpft trotz dieser Problematik für ein besseres Klima. Physikalisch betrachtet. Das soziale Klima in diesem Land ist von unerträglicher Kälte geprägt. Die Gesinnung in unserem Land ist “auf materiell” eingestellt. Da kann sich ein Unternehmen leicht den Scherz leisten, unter dem Motto “Geiz ist geil” lautstark für seine Produkte zu werben. Die Kunden möchten sich nicht nachsagen lassen, dass sie “blöd” sind und kaufen, als gäbe es kein Morgen.

Nicht zu fassen, dass in unserem Land obdachlose Kinder leben und ihnen nicht geholfen wird.

“Da werden Sie geholfen” gilt für eine Telefonauskunft. Werbung greift mit ihrem Zynismus scheinbar instinktiv dort, wo es am meisten weh tut und trifft damit ins Schwarze.

„Ich mache Politik für die Enkel“ gibt Müntefering (SPD) vor und schaltet demonstrativ mit Frau Merkel auf „Harmonie“. Ebenfalls ein viel zitierter Begriff in der Werbung. Selbst Kaffee soll uns diese Beruhigung verschaffen.

Was Merkels Politik betrifft, so beschreibt diese der Spiegel als einen “Prozess zunehmender Undeutlichkeit und Verblassung”.

Wir wissen nicht, wie es den Enkeln von heute gehen wird, wenn sie erwachsen sind.

Wer mit Menschen kommuniziert, die von Armut betroffen sind, der weiß, was ihm nach nur einem Jahr Arbeitslosigkeit bevorsteht. Das sollte nicht nur Angst machen. Das sollte zum Nachdenken anregen. Und es sollte schleunigst dazu führen, dass man unverschuldet Verarmte nicht länger diskriminiert und sich von ihnen abwendet.

Welchen Sinn machen eigentlich Überstunden in zweistelliger Summe pro Woche, wenn gleichzeitig Millionen von Menschen unterhalb des Existenzminimums leben müssen, weil sie unter Anderem deshalb keinen Arbeitsplatz erhalten?

Während die Regierung vom Sommerurlaub in den Winterschlaf geht, sollten sich die Wähler bewegen. Eine sehr sinnvolle Bewegung wäre, wenn Arbeitgeber aufstehen und die Türen für Arbeitssuchende öffnen. Für Lohne, die nicht unter Tarif sind.

Soviel Sonne verträgt unser Land nicht. Nur die Menschen, die hier leben, benötigen sie dringend. Jetzt sofort! Warm anziehen müssen wir uns auf jeden Fall.