Monatsarchiv: Dezember 2007

2007 – Nichts für Jahresrückblick-Junkies!

Ach, ich weiß nicht: Sehen Sie auch Jahr für Jahr diesen einen Film so gerne? Nein, nicht „der kleine Lord“! Ja, der ist süß, und für ein paar Momente glauben wir der Botschaft dieses Films: In jedem bösen Machthaber schlummert ein sentimentaler Gutmensch, und wenn der geweckt wird, wird die Welt gerecht. Aber, wie das eben bei Gutmenschen so ist. Sie meinen es nicht so! Drum bringt es uns auch Nichts, dass es sie gibt. Ob es nun wie am Red Nose Day heißt „Wir tun was Verrücktes und Sie spenden dann wie die Bekifften den Armen“ (oder so!) oder, ganz klassisch: „Tue Gutes und sprich darüber“: Schwamm drüber!

Es ist kurz vor 20h und bald wird geschunkelt und mit dem Arsch gewackelt: Alles wiederholt sich.

Zurück zu diesem geilen Neujahrsfilm: „Die Zeitmaschine“, ein US-Filmteil von 1959. Demnach soll es in den 60ern den Dritten Weltkrieg geben, was ja nicht so direkt eingetreten ist, sieht man mal von den ganzen anderen Kriegen und dem sogenannten „Kalten Krieg“ ab.

Auf jeden Fall soll es gemäß dieser Zeitmaschine in 4. oder 6. Jahrtausend der Menschheitsgeschichte nur zweierlei Spezies geben: Die Einen: Allesamt blond, Männer und Frauen, alle um die höchstens 20 und phlegmatisch bis dort hinaus. Den ganzen Tag an einem See tollend und Früchte verspeisend. Es gibt kein Tier und kein Unkraut. Und dann die zweite Spezies: Geschlechtslose Monster mit grüner Haut und leuchtenden Augen, die die andere Menschenart wie Sklaven halten, sie wie Tiere züchten und dann verspeisen. Und Angst vor Feuer haben. Damit erledigt sie dann auch der Zeitmaschinenforscher, der sich aus dem Jahr 1900 zeitlich nach vorne gebracht hat, mit einem Hebel, der ausschaut wie ein Knauf aus einer dicken, runden, facettierten Glaskugel. Ein Wunder, dass RTL nicht mittendrin in der Werbepause für den reichsten Hersteller unechter, aber glitzernder Klunker, dessen Firmenname mit einem „S“ beginnt und einem „ski“ endet, geworben hat.

Dieses Jahr, also heute habe ich mich zum ersten Mal gefragt, was uns von den Blondies aus dieser Zukunftsversion unterscheidet.

Schauen Sie sich doch die ganzen Jahresrückblicke an! Wir leben im Jugendwahn und ertragen jeden Wahn von irgendwelchen Monstern, bis das der Tod uns voneinander scheidet. Ob Sie jetzt Schrempp, Obermann, Bush, Eva mit Vornamen oder Sinn heißen.

Wir wissen, dass diese Monster uns beherrschen und jederzeit zu Tode nerven oder fressen können. Und, wenn wir mit dem “Gefressen werden” heute mal nicht dran sind: Na gut, dann waren eben andere dran. Fein!

Es bleibt nicht alles wie es ist, oder doch? Naja, manches wird besser. Für die Besser-Gestellten. Und, ja doch, das bleibt, wie es immer war, quasi als Naturgesetz: Denen, denen es dreckig geht, geht’s halt dreckig. Zwar sind wir menschliche Wesen und sehr gut in der Lage, so sagt es auch der Forscher in „Die Zeitmaschine“, dass wir Menschen, im Gegensatz zu den Tieren, mit Leidenschaft entbehren können. Aber, Herr Schrempp, Herr Sinn, Sie möchten nicht zufällig damit anfangen? Nein?

Wie gesagt: Alles kommt irgendwie wieder. Wie so ein Kobold, von dem ich als Kind und in der Pubertät regelmäßig träumte. Er lachte immer, er war immer da, wo ich war und lachte wirklich penetrant. „Hi hi!“ So mit spitzen, kleinen Zähnen. Ich steckte ihn ins Klo, spülte ab. „Hi hi!“ Da war er wieder! Ab mit ihm in die Tonne! „Hi hi!“

Und so ist es mit dem Spot „DU BIST DEUTSCHLAND.“ Neiiiiin! Den gibt es wieder. Passend zu Roland Kochs Idee, dass man ausländische, jugendliche Straftäter härter betrafen soll. Denn in dem Spot geht es um ein Kind, das aufwächst und den Eltern Sorgen bereitet. Mit so ganz banalen Dingen. Wie zum Beispiel ein Mädchen, das zum ersten Mal einen Jungen küsst. (In Gegenwart der Eltern, Alptraum. Für das Mädchen. Und den Jungen.) Und, egal, was dieses Mädchen macht. Im „Off“ heißt es immer: „Du machst mich wahnsinnig!“ Und da kommt wieder – mein Gott Weihnachten ist ja schon wieder so lange her…aber –zig Wahlen stehen vor der Tür…hi hi! – der GUTMENSCH! Der letzte Satz heißt nämlich: „Du machst mich wahnsinnig“…dann kommt eine dramatische Kunstpause“ und dann „VOR GLÜCK“. Und dann – rette sich, wer kann: „DU BIST DEUTSCHLAND“.

Gegen diesen Spot ist mein Alptraumkobold genauso sympathisch wie die zwei metallenen Jungs auf dem Mars, die 150 Grad minus trotzen. Meine Helden in den Nachrichten des deutschen, öffentlich-rechtlichen Fernsehens! Weit, weit, ganz weit weg von uns schmerzfreien, degenerierten Alles-Erduldern leben die zwei Supercoolen mit Namen SPIRIT & OPPORTUNITY. Sie sind echt unkaputtbar. Sagte Erdenwesen in den besagten Nachrichten.

Und das ist für mich das Motto für 2008, egal, was kommt:

SPIRIT und OPPORTUNITY. Oder so.

Schengenraumerweiterung um neun Mitglieder – Weniger Grenze, mehr Polizei

Möglicherweise wussten Sie bis heute Nacht nicht, was ein „Schengen-Visum“ ist.

Dieses Visum ist für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen im Halbjahr zu Besuch- und Geschäftszwecken. Die Gültigkeitsdauer eines Visums wird in jedem Einzelfall anhand des angegebenen Reisezwecks individuell festgelegt. Ein Anspruch auf Erteilung eines Schengen-Visums mit einer bestimmten Gültigkeitsdauer besteht nicht. Das Schengen-Visum berechtigt zur Einreise in alle Staaten des „Schengen-Raumes” (zu diesem gehören außer Deutschland ab dem 21.12.2007 Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Island, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Malta und Ungarn).

Der Schengenraum ist rund 3,6 Mio. Quadratkilometer gross und bietet rund 400 Mio. Europäern von Riga bis Lissabon sowie von Reykjavik bis Valletta freie Fahrt. Lediglich im Flugverkehr bleiben die Passkontrollen bis März 2008 erhalten. Auch am Autobahn-Grenzübergang Swiecko bei Frankfurt an der Oder zogen sich die deutschen und polnischen Beamten nach ihrer letzten Schicht um Mitternacht zurück. Autos und Lastwagen können nunmehr ohne jede Kontrolle die deutsch-polnische Grenze in beiden Richtungen überqueren. Mit dem Schengenbeitritt sind an knapp 20 deutsch-polnischen und gut 30 deutsch-tschechischen Grenzübergängen Pass- und Zollkontrollen Vergangenheit. Nach dem Wegfall der Kontrollen für Pkw- und Zugreisende sowie in Häfen und auf Schiffen folgen am 30. März 2008 auch die Kontrollen an Flughäfen.

Durch den Wegfall der Grenze erhofft man sich auf beiden Seiten eine Belebung der Wirtschaft. Den stärksten Wirtschaftsfaktor bildet in dieser Region der Tourismus.

Unter Feuerwerk und im Konfetti-Regen haben tausende Deutsche und Polen auf der Grenzbrücke zwischen Frankfurt an der Oder und dem polnischen Slubice den Wegfall der Grenzkontrollen gefeiert. Jetzt, zur Mittagszeit am folgenden Tag, zücken noch einige Autofahrer am Grenzhäuschen gewohnheitsmäßig ihren Ausweis, um dann festzustellen, dass es nicht mehr besetzt ist.

Neben Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich Polens Regierungschef Donald Tusk angesichts der Grenzöffnung begeistert und spricht sogar: „von einem “Triumph der Freiheit”. Er sei in einer Welt aufgewachsen, in der viele Grenzen unüberwindbar schienen. “Jetzt ist es gelungen, auch die schwierigste Grenze zu überwinden: die der Angst, der Furcht.”

Jedoch gab es auch skeptische Stimmen: Die Anwohner sollen sich laut der ARD Nachrichten skeptisch zum Thema Grenzöffnung geäußert haben, da man einen Zuwachs an Kriminalität befürchte. Es wurde aber nicht berichtet, um welche Art der Kriminalität es sich handeln könnte. In früheren Nachrichten ist zu lesen, dass es häufig zu äußerst heftigen Gewaltübergriffen von größeren Gruppierungen kam.

Der Präsident des europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering jedoch wies Sicherheitsbedenken zurück. Die offenen Grenzen seien “ein Symbol der Vereinigung und der Verständigung der Völker”.

Dennoch soll nun das Personal der Bundespolizei um das zweieinhalb- bis dreifache vergrößert werden, um die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten. Dieser Ansicht zumindest ist Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Wie stehen Sie dazu? Wesentlich mehr Polizei an der ehemaligen Grenze, das

Finde ich gut

Finde ich gar nicht gut

Ist mir gleichgültig.
(Quellen: minsk.diplo.de/Vertretung/minsk/de/01/Visabestimmungen/Visabestimmungen__allgemein.html, tagesspiegel.de, spiegelonline.de)

Wo hält der Zug der Verhandlungen zwischen GDL und der Deutschen Bahn?

Verfolgt man in der Presse die Tarifverhandlungen der GDL, der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (Gewerkschaft im dbb Beamtenbund und Tarifunion mit Sitz in Frankfurt am Main und Tarifpartner der Deutschen Bahn und einiger privater Eisenbahnverkehrsunternehmen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1867 vertrat die GDL ausschließlich Lokführer. 2002 öffnete sie sich für das gesamte Fahrpersonal. Quelle: Wikipedia) und der Deutschen Bahn, so befürchtet man an eine never ending story.

Bundeskanzlerin Merkel, die sich noch vor wenigen Tagen über die überzogenen Managergehälter empörte, sprach sich just heute gegen Mindestlöhne aus. Das Eine mag so auf den ersten Eindruck nicht zum Anderen passen, aber: Es setzt sich mal wieder hierzulande die Frechheit durch. Offiziell hieß es in den 15 Uhr Nachrichten der ARD: „Die Bahn fordert geregelte Schlichtungsverfahren“. Also: Die Streiks der Lokführer, deren Löhne gemäß ihrer Verantwortung und ihrer Arbeitszeiten unverhältnismäßig niedrig sind, waren insofern umsonst, dass die kleinen Schritte, auf die die Tarifpartner aufeinander zugegangen sind, wieder zurückgestuft werden. Von dem Lobbyisten Deutsche Bahn.

Die Lokführer zeigen sich - bei allen Problemen – gegenüber dem Endverbraucher, also dem Nutzer der Deutschen Bahn fair und kündigten den erneuten Streikbeginn für den 07. Januar 2008 an. Unglaublich, was der Starrsinn der Lobbyisten kostet!

Vorstandsgehälter: Ein politischer Evergreen, der den Kessel der Toleranz zum explodieren bringt?

Ja, es ist gut, dass das Thema Vorstandsgehälter in den Medien stark diskutiert wird. Der Unmut über die ungerechten Verhältnisse in der sozialen Marktwirtschaft Deutschland brodelt kräftig.

Ausgeschlagener Mindestlohn, Massenkündigungen, das Hartz IV Gesetz auf der einen Seite, für die Vorstände Begrüßungsgeld, die Gehälter selbst und Abfindungszahlungen in Millionenhöhe auf der anderen Seite: die einseitige Überlast kann Justitia nicht mehr ausbalancieren, selbst wenn diese sich noch so sehr auf dem Schwert der Gerechtigkeit stützt.

In der WDR Sendung „Hart aber Fair“, moderiert von Frank Plasberg war ein Potpourri von Diskutanten eingeladen, die die astronomisch hohen Vorstandsgehälter überwiegend rechtfertigen wollten, darunter auch Klaus Wowereit, Horst Seehofer, Anton F. Börner und Hans-Werner Sinn, der Präsident des ifo-Institutes. (Informationen zu der Ausgabe mit O-Tönen der geladenen Gäste dieser Sendung können Sie der Website von „Hart aber Fair“ entnehmen)

Das Kernargument für die Vorstandsgehälter sei die hohe Verantwortung, die Vorstandsmitglieder zu tragen haben.

Wenn man aber zum Beispiel davon ausgeht, dass ein Vorstandsmitglied der Metro das 140-fache an Gehalt überwiesen bekommt wie ein „Durchschnittsverdiener“ des selben Unternehmens, kann man sich schwerlich eine 140-fache Verantwortung vorstellen.

Herr Sinn nahm sich in „Hart aber Fair“ die Frechheit, zu behaupten, dass erwerbslos gewordene Menschen „nicht leistungsfähig“ seien.

Auf der Seite http://www.manager-magazin.de/unternehmen/vorstandsgehaelter/0,2828,316272,00.html erfahren Sie von Ulrich Hocker, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: „Bei den Top-Zahlern unter den DAX-Gesellschaften sind da selbst für einfache Vorstandsmitglieder Pensionszahlungen bis zu 600.000 Euro pro Jahr möglich”.

Wenn man davon spricht, dass Deutschland gerade einen Wirtschaftsaufschwung erfährt, dann kann man sich dieser These angesichts folgender Zahlen nicht entziehen:

„Die Vorstände der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihre Einkommen im Schnitt um 11 Prozent gesteigert. Die größten Gehaltssprünge haben dabei die Manager des Softwarekonzerns SAP sowie der Deutschen Bank erzielt.“

Quelle: http://devgdtag06.sul.t-online.de/de/ka/konzernanhang/sonstige_angaben/index.php?page=194

(Quelle: Oben angegebene Seite des Manager Magazins).

Vergütung mit Anreizwirkung aus Aktienoptionsplänen.

 

Optionen
AOP 2001
Tranche 2001
Anzahl

Wert der
Optionen bei Begebung (2001)
in €

Optionen
AOP 2001
Tranche 2002
Anzahl

Wert der
Optionen bei Begebung (2002)
in €

* Es bestehen keine Ansprüche mehr für Herrn Ricke.
Kai-Uwe Ricke* 0 0,00 0 0,00
René Obermann 48 195 4,87 28 830 3,79
Dr. Karl-Gerhard Eick 163 891 4,87 0 0,00
Hamid Akhavan 0 0,00 19 840 3,79
Timotheus Höttges 0 0,00 17 050 3,79
Dr. Heinz Klinkhammer 163 891 4,87 0 0,00
Lothar Pauly 0 0,00 0 0,00
Walter Raizner 0 0,00 0 0,00
375 977 4,87 65 720 3,79

Die sogenannte Anreizwirkung (In Manager-Englisch: „Incentives“, dazu zählen auch Reisen und gruppendynamische Wochenendseminare, sowie vergünstigte „Arbeitsmittel“ wie First-Class Firmenwagen, kostenfreie Luxus-Unterkünfte für Mitarbeiter aus den obersten Chargen soll der „Motivation“ der Vorstandsmitglieder beitragen.

„Am 11. März 2005 hat das Bundesministerium der Justiz angekündigt, einen Gesetzesentwurf zur individualisierten Offenlegung der Gehälter von Vorstandsmitgliedern von Aktiengesellschaften ausarbeiten zu wollen. Gemäß der damaligen Gesetzeslage waren lediglich die Bezüge aller Vorstandsmitglieder als Summe in der Jahresbilanz der Aktiengesellschaft auszuweisen. Die Bekanntgabe der auf jedes einzelne Vorstandsmitglied entfallenden Vergütung wird bereits heute im Corporate Governance-Kodex empfohlen, diese Empfehlung ist jedoch für Unternehmen nicht verbindlich (comply or explain-Regelung des § 161 AktG).

Die Neuregelung soll zu einer gesteigerten Transparenz im Unternehmen beitragen und läutet damit die nächste Runde der Corporate Governance-Reformbestrebungen ein.

Das Vorhaben ist rechtspolitisch umstritten. Die Unternehmen, die bisher der Empfehlung des Corporate Governance-Kodex nicht gefolgt waren, bezweifeln zum einen die Sinnhaftigkeit einer Einzelausweisung, zum anderen wird die individuelle Vergütung oft als Privatsache empfunden, deren Offenlegung den Vorstandsmitgliedern nicht zugemutet werden könne.“

Quelle: http://www.jura.uni-augsburg.de/prof/moellers/aktuelles/dir-verguetung_ankuendigung.html

Seitdem Politiker wie Frau Merkel Managergehälter monieren, gehört dies zum guten Ton.

Was macht das mit dem Evergreen?

Dazu schrieb Anselm Waldermann vom Magazin „Spiegel“:

„Wenn es darum geht, hohe Managergehälter anzuprangern, machen Politiker gerne mit. Dabei entlohnen Firmen wie Post, Telekom und Bahn ihre Vorstände besonders üppig. Eine aktuelle Studie zeigt: Nirgendwo ist der Gehaltsabstand zwischen Vorstand und Mitarbeitern so groß wie hier.

Berlin - Diese Studie hat es in sich: Mitten in der Debatte über zu hohe Managergehälter präsentiert Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität brisante Zahlen. Der Professor hat die Vorstandsvergütung in den 30 Dax-Unternehmen untersucht. Sein Ergebnis: Die politische Diskussion ist scheinheilig - denn gerade in Unternehmen mit staatlicher Beteiligung werden Manager besser bezahlt als in privaten Firmen.

Musterbeispiel ist die Deutsche Post, die sich zum Großteil in staatlichem Besitz befindet. Im Jahr 1995 verdiente hier ein Vorstandsmitglied elf Mal so viel wie ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Im Jahr 2006 war es schon das 87-fache. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Dax-Unternehmen verdiente der Vorstand früher 19 Mal so viel wie ein Mitarbeiter, heute ist es das 44-fache.

Eine hohe Steigerungsrate weist auch der Energiekonzern RWE auf, dessen Aktien sich zu einem großen Teil im Besitz nordrhein-westfälischer Kommunen befinden. Hier erhielt der Vorstand in den achtziger Jahren zehn Mal so viel wie ein einfacher Mitarbeiter. Mittlerweile ist es 50 Mal so viel.

Auch bei der Telekom hält der Staat einen großen Teil der Anteile - und auch hier haben sich die Managereinkommen deutlich erhöht, zumindest bis zur Krise 2001. Das Gleiche gelte für die Deutsche Bahn, sagt Studien-Autor Schwalbach zu SPIEGEL ONLINE. In der Untersuchung wurde der Konzern nur deshalb nicht aufgeführt, weil er nicht an der Börse notiert ist.

“Der Staat wird seiner Verantwortung nicht gerecht”, schimpft Schwalbach. “Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.” Schließlich entsendet die Bundesregierung zahlreiche Vertreter in die Aufsichtsräte von Post, Telekom und Bahn. Dort segnen die Politiker dann horrende Managergehälter ab - und außerhalb der Sitzungen beklagen sie sich über die Höhe der Vergütung.“

Monatelange Diskussionen in den Medien über Gehälter von Lokführern und Mitarbeitern der Post. Comedians blöken abgeschmackte Zoten über die Betroffenen. Das sorgt zunächst für Stimmung gegen „die Kleinen“ und so ein Evergreen wie überzogene Vorstandsvergütungen treten in den Hintergrund. Gegen „die Großen“ kann man eben nichts machen.

Kann man das nicht?

Hier ist Information der erste Schritt zum Handeln. Weiteres Zahlenmaterial, das sehr schnell klare Aussagen bringt:

Gesamtbezüge und Aufwand 2006.

in €

Festes Jahresgehalt 2006

Sonstige Bezüge im Jahr 2006

Variable
Vergütung für das Jahr 2006

Summe

MTIP 2006
(Fair Value per 31.12.2006)

Pensionsaufwand 2006 (SCO)

aDer für Herrn Akhavan ausgewiesene Betrag ergibt sich aus einer pro-rata Berechnung ab dem 5. Dezember 2006 für die o.a. pauschale jährliche Ausgleichszahlung („pension substitute“).
bBei Herrn Höttges wird auf Grund der kurzen Zugehörigkeit zum Vorstand keine Service Costs angegeben; zu Informationszwecken wird der PBO/DBO-Aufwand für die Zeit ab 5. Dezember 2006 aufgeführt.
Kai-Uwe Ricke
(bis 12. November 2006)
1 083 333,37 41 589,71 1 298 630,14 2 423 553,22 0,00 662 447,00
René Obermann 894 666,66 28 730,71 805 537,00 1 728 934,37 20 969,11 378 979,00
Dr. Karl-Gerhard Eick 993 750,00 88 962,04 894 375,00 1 977 087,04 24 807,20 747 257,00
Hamid Akhavan (ab 5. Dezember 2006) 58 064,52 27 566,84 53 260,27 138 891,63 12 481,61 15 671,23a
Timotheus Höttges
(ab 5. Dezember 2006)
54 435,48 949,44 49 931,51 105 316,43 9 985,29 28 315,00b
Dr. Heinz Klinkhammer 840 000,00 67 350,47 840 000,00 1 747 350,47 0,00 908 955,00
Lothar Pauly 750 000,00 77 131,26 600 000,00 1 427 131,26 18 722,41 283 286,00
Walter Raizner
(bis 4. Dezember 2006)
869 455,65 135 670,02 868 150,68 1 873 276,35 16 252,10 778 887,00
5 543 705,68 467 950,49 5 409 884,60 11 421 540,77 103 217,72 3 803 797,23
 Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522766,00.html

Sieht man diese Tabellen und hält diesen nicht die der Staatsverschuldung und der hohen Zahl der Menschen entgegen, die zugunsten dieser Zahlen verarmt sind und Staatsalmosen und Diskriminierung statt Arbeitsplätze und eine individuelle Identität gemäß unseres Grundgesetzes erhalten, muss man von einem obszönen Wohlstand in Deutschland ausgehen.

Licht aus – Viel Lärm um Nichts

Trailer auf Pro Sieben. „Im Sinne des Aktionstages 8. Dezember: Klimaschutz jetzt“ (Zu lesen unter lichtaus.info – nicht mit lichtausinfo.de zu verwechseln! - und wwf.de) sollte man hierzulande von 20 Uhr an fünf Minuten die Lichter ausschalten. Vorher: Großes Licht-Aus Experiment in der Sendung „Planetopia“. Beeindruckend, zu sehen, wie die Lichter einer Sprungschanze und eines Schwimmbades ausgehen und ein Mann von einem Elektrizitätswerk auf den Knopf drückt und Strom abschaltet.

Sparen, Erkennen, dass wir durch unsere Welt die Erde zerstören, Menschen überzeugen: Das Alles nimmt viel Zeit in Anspruch, dauert lange. Ein Medienevent ist schnell vorbereitet, inszeniert und abgefeiert.

Oliver Berben, Yvonne Cutterfeld, Eva Padberg, Hannes Jaenicke, Verona Pooth: Der rote Teppich ist mal wieder ausgerollt. Für das Gute. Für das Bessere. Für das Richtige. Für das, was beispielgebend ist.

Gefolgt von Namen wie Pro Sieben, dem Bund der Freunde der Erde, WWF, ja und sogar: Google.

Live wollte Pro Sieben über das „Event“ Licht aus berichten, Logos konnte man sich herunterladen, WWF bot Emotion Cards passend zur „Aktion“ an.

Der Chefredakteur des wohl größten Meinungsverbilders „Bild“ Zeitung, Kai Diekmann: was wird er wohl in den 5 Minuten „Licht aus“ gemacht haben? Ließ er seinen Bestseller „Der große Selbstbetrug“ in der Hand auf seinen Schoß sinken, mit einem zufriedenen Lächeln? Zitat aus seinem Buch: „Stünde der Selbst-Betrug unter Strafe, gäbe es in diesem Land keine freien Bürger“. Er sieht in dem „Gutmenschen der 68er Generation“ den Verursacher für einen „Epochenbruch der deutschen Gesellschaft in Richtung Egozentrik, Mittelmaß und Faulheit“, und fragt. „ist der Versorgungsstaat (er meint die aktuelle Bundesrepublik Deutschland mit Millionen 4,67 Millionen Erwerbslosen) schuld, der immer mehr verteilt, aber immer weniger zufrieden macht?“ Er schreibt von dem Land, indem der Mindestlohn verwehrt wird.

Seit man endlich erkannt hat, dass wegen zu hoher CO2-Ausschüttung die Welt buchstäblich den Bach heruntergeht, rühmen sich die skurrilsten Unternehmen mit der Umweltfreundlichkeit ihrer Produkte.

Für fünf Minuten wenigstens die Lichter ausschalten? Einmal die Woche? Oder sogar einmal am Tag? Warum nicht einmal pro Stunde. Es könnte so sinnvoll sein.

Aber, mit Schicki.-Micki Rummel erreicht man die Menschen nicht.

Schicki-Mickies wie Kai Dieckmann und seine Ex-Bild-Seite 1-Mädchen-Texterin, „Autorin“, Klatschtante und Ehefrau Katja Kessler bewegen sich nun mal gerne in (Geld-)Adelskreisen. Wie sollen diese mit derlei Tandaradei beschäftigten Mitbürger denn wissen, wie man so „ linke, abgründige“ Themen wie Armut und vom Menschen provozierte Naturkatastrophen bekämpfen und abwenden kann?

Pro Sieben berichtete dann auch nicht live. The Show must – as already planned and paid – go on: Licht aus. Wir gehen nach Haus, Rabimmel, rabammel, rabumm? Fragt sich nur, welche Qualität unser Zuhause hat.