Monatsarchiv: Januar 2008

Jérôme K. versenkt eine Riesenbeute des Schiffes Societé Générale


1889 schrieb der Engländer Jerome K. (Jerome) das berühmte Buch „Three Men In A Boot“. Er lebte nach dem Motto: “Es ist unmöglich, das Faulenzen ausgiebig zu genießen, außer wenn man viel Arbeit zu erledigen hat. Es macht keinen Spaß, nichts zu tun, wenn man nichts zu tun hat.”*

Der 31-jährige Franzose Jérôme K. wollte wohl mittels einer ganz anderen Philosophie wenn nicht zu Erfolg, dann zumindest zu Berühmtheit gelangen. Dass der Mitarbeiter für „Future-Geschäfte“ seinen Geldgeber, das zweitgrößte Geldinstitut Frankreichs, die 1864 gegründete Societé Générale um unfassbare 4,9 Millionen Euro betrog, kann wohl Niemand so richtig begreifen. Besonders nicht Daniel Bouton, der Vorstandschef der Bank, die im Jahr 2006 einen Umsatz von dagegen gerade mal 22.417 Millionen Euro erzielte.

Nach dessen Beschreibung handele es sich bei Jérôme K. um einen „kleinen Börsenmakler, dessen Grundgehalt sich zuletzt auf weniger als 5000 Euro monatlich belief“. Die Tragik für den Täter: Er ist wegen des jüngsten Börsenbebens aufgeflogen. Jérôme K. konnte die Bank länger als ein Jahr täuschen. Seine Tat toppt die des 1995 damals 28-jährigen Leeson, der an asiatische Märkte 860 Millionen Pfund verspielt hatte.

Obwohl die Medien die Nachricht am heutigen Tag preis gaben, ist indess Jérôme K. bereits am Sonntag mit seinem Riesencoup aufgeflogen. Ein mitleidiges Lächeln provoziert der Kommentar Boutons, dass es sich bei Jérôme K. um einen Einzeltäter handele. Hier hat die Bank einen gewaltigen Kontrollverlust erlitten. Nicht ein einzelne, sondern eine Sammelklage von circa hundert Anlegern ist nun gegen die Bank erstattet worden.

(*Original: “It is impossible to enjoy idling thoroughly unless one has plenty of work to do. There is no fun in doing nothing when you have nothing to do.” Quelle: Wikiquote. Weitere Quellen: Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt)
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Wahl in Hessen: Ein bunter Potpourri an Themen, Skandalen und Intrigen.

Viel bunter als schwarz, rot - gold.

Wirft der schwarze Montag an der Börse der vierten Kalenderwoche tiefe Schatten auf die ganze Welt?

Bevor wir uns dies fragen konnten und jetzt noch immer ist ein Thema in Deutschland derzeitig die ungekürte Nummer 1: Die bevorstehende Wahl in Hessen. Am kommenden Sonntag ist es soweit. Dann werden wir wissen, welche Blüte des Themenpotpourris welche Frucht hervorbringt. Der Blüten Vielfalt – echte und unechte - ist groß, aber sie duftet nicht wirklich gut. In so manchem Kelch modert es bereits. Einen Floristen gibt es nicht. Es ist, als ob heftige Stürme und Böen die Blüten zusammengeweht hätten. Und nun stehen wir vor diesem Haufen, den sie bilden, einem Potpourri:

Den Anfang machte Roland Koch mit seiner These, Jugendliche mit Migrantenhintergrund müssen härter bestraft werden. Zu einem Wahlkampfthema, das zieht, weil doch die „schweigende Mehrheit“ insgeheim dächte, was er fordere – so ähnlich drücken sich Rechtsextreme (der kleineren Parteien) aktuell auch aus! – sollte es werden. Nicht mehr These, sondern Synthese. Roland Koch hat die Zustimmung seiner Parteigenossen und Frau Merkel gibt ihm Rückendeckung. Ja, nur weil Wahlen seien, solle man wichtige Themen nicht verschweigen.

Doch dieser Koch hat die Rechnung ohne den Wirt, die CDU in der Bundeshauptstadt gemacht. So hat er sich den eigenen Brei selbst verdorben und ist in der Gunst der Wähler gesunken. Der Gast (der umworbene Wähler) ist König. Und so lässt das die CDU in Berlin nicht kalt.

Herr der „Warnschuss-Arrest-Forderer“ Koch hat eine Gegenkandidatin mit Namen Ypsilanti.

Geht man zu einer Hochzeit oder zu einer Beerdigung, lernt man seine Verwandten kennen. Gibt es eine Wahl, lernt man manchen Politiker kennen, so die Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Und es erscheinen scheinbar Vergessene zu Gast, die man ehemals hier sehr herzte, dort mit Schmähung versah, wie Joschka Fischer, der extra aus seinem Ruhestand heraustritt, um die Grünen zu unterstützen, oder Ex-Kanzler Schröder oder Wolfgang Clement, der ja nun eigentlich auf einer Feier der ganz anderen Art ist: Als Gehaltsempfänger des Energiekonzerns RWE.

Ja, und um kurz bei ihm zu bleiben, er empfahl, die SPD nicht zu wählen: Dazu Ministerpräsident Beck: „Wir haben es zur Kenntnis genommen und zu den Akten gelegt.“ So macht man es mit Post, auf die zu reagieren es müßig wäre, der man den Ernst eines Beweises für eine angekündigte Untat beimisst.

„Jeder ist sich selbst der nächste“ oder „Hallo, ich bin’s“, so könnten die Motti dieser Wahl lauten. Herrn Clement goutierte es nicht, dass Frau Ypsilanti auf erneuerbare Energien statt Atomkraft setzt.

Und dürfte jeder etwas eigensinnig im Sinne dieser Wahl fordern und bekäme Gehör, er würde es tun. Das zeigt sich bereits.

So „empfiehlt“ der DHV, der Deutsche Hanfverband, kleine Parteien zu wählen. Denn, so der DHV: „Die Cannabisrepression kostet Hessen 75 Millionen Euro pro Jahr“. Zum einen kritisieren sie die Ausgaben bei der Verfolgung von Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz und nennen es „Jagd auf Drogenproduzenten und Großhändler“. Zum anderen fordern mehr Gelder für Prävention, sprechen aber von „harmlosen Cannabiskonsumenten“.

An dieser Stelle sollte man meinen, dass die Skurrilität der Vorbereitung zu der anstehenden Hessenwahl 2008 mit diesem Beitrag ihren Höhepunkt genommen hat, doch der Blätterhaufen ist noch lange nicht komplett. Vom Hanf zu Holland:

Dort nämlich Computer, mittels derer die Hessen abstimmen sollten, hergestellt worden. Und dort dürfen sie wegen ihrer „unsicheren Ergebnisse“ auch nicht mehr eingesetzt werden. Der Chaos Computer Club, kurz: CCC will nun auch den Einsatz dieser Geräte in Hessen verhindern. Wer den CCC nicht kennen sollte, und das dürften viele sein: Er ist als Hacker-Club bekannt geworden und befasst sich seit 1981 mit Datenschutz- und Sicherheitsthemen. Es ist bisher nicht bekannt, dass Herr Schäuble diesem Club beigetreten ist. Hingegen berichtete „Der Spiegel“, der CCC wollte vor Jahresende 2007 eine einstweilige Anordnung auf Unterlassung des Einsatzes dieser Maschinen einreichen.

Die hessische Landtagswahl findet am 27. Januar 2008 statt. Und hier sind noch einige Wahlkampfspots einzelner Parteien. Nach dem Motto: „Lasst Blumen sprechen“, seien diese hier nun zitiert:

SPD, Kandidatin: Andrea Ypsilanti (Will Ampelkoalition rot-gelb-grün, gegen schwarz-gelb und rot-rot)
„52 Alternativen für Hessen – Roland Kochs Zeit läuft ab – am 27. Januar 2008 ist Wahl. Neue Energie für Hessen.“

CDU, Kandidat: Roland Koch (will schwarz – gelb und gegen rot-rot)
“ Wolfgang Clement warnt vor der SPD – Die Ypsilanti SPD gefährdet Arbeitsplätze – Clement hat Recht, Sicherheit und Arbeitsplätze in Hessen – nur mit Roland Koch und der CDU – Mutig-modern-menschlich – mit der CDU“

FDP, Kandidat: Jörg-Uwe Hahn. (will schwarz-grün)
„Hessen stärker machen.“

Bündnis90/Die Grünen, Kandidat: Tarek Al-Wazir (hält schwarz-rot, also große Koalition für „Super-Gau“)

„Wortbruch. Roland Koch: Ein Mann, auf dessen Wort man sich nicht verlassen kann.“ Und: „Wir denken an Morgen. Bist du dabei?“

Tief im Westen - Bochum ohne Nokia

Im Westen was Neues. Bochum bald kein Standort mehr für Nokia. Tief im Westen

1995 widmete dereinst Herbert Grönemeyer Bochum ein Liebeslied, das quasi zu einer Hymne geworden ist und das vor jedem Spiel des Vfl Bochum gespielt wird und den Fans selbsterklärt „Gänsehaut einjagt“. Ein kurzer Textauszug aus dem Song:

„Wo die Sonne verstaubt
Ist es besser
Viel besser, als man glaubt
Tief im Westen
Du bist keine Schönheit
Vor Arbeit ganz grau
Du liebst dich ohne Schminke
Bist ‘ne ehrliche Haut
Leider total verbaut
Aber grade das macht dich aus
Du hast ‘n Pulschlag aus Stahl
Man hört ihn laut in der Nacht
Du bist einfach zu bescheiden
Dein Grubengold
Hat uns wieder hochgeholt
Du Blume im Revier
(Refrain) Bochum, ich komm aus dir
Bochum, ich häng an dir
Glück auf, Bochum …“

Gänsehaut bekommt man, wenn man jetzt auf der Titelseite der Rheinischen Post den verzweifelten Gesichtsausdruck einer Nokia Mitarbeiterin sieht, die sich flehend an CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers wendet.

Dem finnischen Hersteller mobiler Telefone Nokia wird nun nachgesagt, er verhalte sich wie eine „Subventionsheuschrecke“, da er Finanzhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro alleine vom Bundesland Nordrhein-Westfalen kassiert habe und nun abwanderen will. Es stehen nun wieder 2.300 Arbeitsplätze zur Disposition.

Während Rüttgers Nokia bedenklicherweise lediglich vor einem „Imageverlust“ warnt, schaltete die NRW-SPD gestern in ihr Internetforum den Slogan „No Nokia, so nicht!“ (www.nrwspd.de) frei. Die SPD Landtagsfraktionsvorsitzende Hannelore Kraft moniert:

„Das Verhalten von Nokia ist ein Skandal. Rund 60 Millionen Euro Subventionen hat das Unternehmen erhalten. Das Werk in Bochum schreibt schwarze Zahlen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben noch vor Weihnachten einen Bonus erhalten für ihre gute Arbeit. Gleichzeitig war die Entscheidung für die geplante Verlagerung der Produktion nach Rumänien offenbar längst gefallen. Das ist unanständig, eiskalt und berechnend. So geht man nicht mit Beschäftigten um.“

Sie möchte öffentlichen Druck erzeugen, indem sie auf ihrer Website Lesern die Möglichkeit gibt, sich über Nokia zu äußern.

Nokia lenkt jedoch nicht ein. Soviel Ungemach macht Politiker zumindest sprachlich krreativ. So charakterisiert der SPD Europa Abgeordete Martin Schulz das Verhalten von Nokia wörtlich als „Manchester-Kapitalismus in Reinkultur“. Das Unternehmen gehe dorthin, wo es Menschen am einfachsten ausbeuten könnte.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete heute, Schulz habe geäußert, dass „Unternehmensvorstände ohne Rücksicht auf Standorte und nationale oder regionale Gegebenheiten nach Kriterien der Gewinnorientierung entscheiden.“ Nach seinen Erkenntnissen seien „keine direkten Mittel der EU an Nokia für den Aufbau des neuen Standortes in Rumänien geflossen. Die Region könne allerdings aus Mitteln des EU-Struktur- oder Entwicklungsfonds erhalten haben“.

Mittlerweile jedoch betonte Nokia, dass es mit deutschen Stellen nicht über eine mögliche Weiterführung des Werkes in Bochum mit 2300 Beschäftigten verhandeln wolle. Die Entscheidung zur Schließung sei “sehr genau durchdacht”, sagte eine Unternehmenssprecherin in Helsinki ganz lapidar. Und: “Wir haben sehr sorgfältige Analysen der Kosten und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Bochumer Werkes durchgeführt.“ So reiht sich das Unternehmen Nokia in eine lange Kette von Unternehmen seit spätestens der Jahrtausendwende ein, die fernab jeglicher Ethik „unternehmerische Entscheidungen“ treffen.

Jetzt müssen die künftigen Ex-Mitarbeiter von Nokia in Bochum um ihre Existenz bangen. Wenn sie binnen 365 Tagen keinen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, droht ihnen die Ausbeutung mittels sogenannter 1-Euro Jobs. Diese Art der Ausbeutung wurde bislang trotz sachlicher Argumente erfolglos kritisiert. „Tief im Westen“ weicht blau dem grau.

Gehen’se mit der Konjunktur…

Bahnhof Ja, es geht wieder um die Tarifverhandlungen der Lokführer.
Stopp! Lesen Sie ruhig weiter. Bitte nicht aussteigen. Davon hat doch Niemand etwas gesagt!

11 Prozent mehr Lohn für die Lokführer. Hurra, wir freuen uns mit ihnen.
Schon im Dezember 2,9 % Preiserhöhung für die Bahntickets und die Preise steigen weiter?

Gibt es Alternativen zur Deutschen Bahn, will man sich auf Gleisen vorwärts bewegen? Spätestens jetzt wünscht man es sich!

Aber hier ist im Thema noch nicht Endstation. Noch lange nicht!

Chaos: Stau am Bahnhof der Diskussionen um Löhne im Lande.

Während die einen fordern, nun auch mehr Lohn zu bekommen, sagen die anderen: „Vorsicht, du willst doch deinen Job nicht verlieren!“

Während die einen Angst um den Verlust ihres Arbeitsplatzes haben, zittern wieder andere, dass ihre Löhne transparent werden. Nicht nur die Manager und die Abgeordneten. Da ist ja wieder Ebbe in der Aufregung eingekehrt. Richtig Wind sollen nun die Offenlegungen der Gehälter der Promis aus Sport und Kultur in die Flaute der verflachten Empörung bringen.

Meine Damen und Herren: Es herrscht Konjunktur in Diskussionen um Münzen, Scheine und Obligationen.
(Foto: aboutpixel.de)