Monatsarchiv: Dezember 2008

Dys-Stress oder eher Eu-Stress - wenn ein Reflex zur Gesundheitsgefahr wird

Situative Kompetenz als eine der Schlüsselqualifikationen des rationalen Menschen wird gefordert vom Polizisten, vom Lehrer und auch vom Rettungssanitäter. Würde der Körper diesen Stress nicht zeigen - schneller Herzschlag, erhöhte Atmung, angespannte Muskeln, nerviges Hirn - würde manche Gefahr zu spät realisiert und zu schädigenden oder vermeidbaren Folgen führen.

Was aber, wenn der Stress als Eu-Stress begeistert und mitreißt: beim Programmdirektor, beim Redakteur mit beste Recherche, beim Bauherren mit bester Baubetreuung durch exzellente Handwerker…? Oder ist es der Dys-Stress beim Pflegepersonal im Krankenhaus, in der Kantinenküche oder im Unterricht an der Berufsschule…?

Stress ist also mehr als nur ein nützlicher Mechanismus, auf den die Alt-Vorderen muskulärer Energie reagierten: Kampf oder Flucht. Wie aber ist bei heutiger Lebenshaltung und heutigem Lebensstil dem Stress wie einst zu Urzeiten beizukommen?

Für die Experten im Medizinischen Prävention Centrum Hamburg wurde aus dem Uralt-Notprogramm in unserer Zeit viel eher ein Krankmacher. Problem Nummer eins: der Stress gilt permanent. Der Einzelne hat zu wenig Zeit, ihn erreichen zu viele Informationen und Reiz und er leistet oft ein zu hohes Maß an beruflicher Arbeit um Wettbewerb der Kollegen.

Unter ‘Dauerbeschuss’ mit Stress-Auslösern setzt der Körper das Hormon Kortisol frei, das nun bei anhaltendem Druck dauernd in der Nebennierenrinde produziert wird. Schädigende Folge: Der Botenstoff schlägt dauernd Alarm - Blutdruck, Blutzucker und Blutfette sind ständig erhöht. Die Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose und Infektionen steigt. Und wenn der Druck anhält, belastet dies auch die Psyche: Gemütswallungen, Erschöpfung und Depressionen addieren sich.

Dem Stress entkommen…?

Nicht nur Mediziner wissen: Menschliche Leistung und Erholung sollten im Gleichgewicht sein, damit Stress dauerhaft ausgehalten werden kann. Dabei hilft das Verhaltensmuster der Urahnen: Reaktion löst körperliche Aktivität aus, was einem wahrlich auf den guten Weg bringt. Jede Art sich zu bewegen konterkariert den Stress, so die Wissenschaft von der Angewandten Stressforschung. Dazu kann auch reines Krafttraining dienen, denn je öfter man trainiert, desto mehr Muskelzellen bauen sich auf und der Stresshormon-Pegel baut sich umgekehrt proportional ab.

Stress scheint nun aber auch eine geschlechtliche Angelegenheit zu sein: Frauen sind bei Stress im Vorteil, so Erkenntnisse der Organisationspsychologie. Sie halten Stress besser aus als Männer, was an der Fähigkeit liege, sich sozial gut zu vernetzen. Wohl eine der wirkungsvollsten Methoden, um Stress abzubauen. Und zugleich einer der Gründe, dass die Lebenserwartung bei Frauen höher ist.

Stress lässt sich einüben

Belastungssituationen mit der Wahrnehmung von Stress kann man aber auch einüben. Wichtig dabei : den eigenen Stress-Typ zu erkennen.

* Wer oder was löst konkret den Druck aus und auf welche Weise wird reagiert?

Wer also weiß, wozu er neigt und wofür er anfällig ist, kann gezielt gegenlenken, so die Stressforscher. Wer sich viel bewegt, je nach individuellem Temperament und persönlicher Leistungsfähigkeit, der kann sich über ein begleitendes “Achtsamkeits-Training” der Stressbewältigung stellen.

Therapeutische Programme bieten viele Kliniken und lokale Therapeuten an. Deren Ziel ist es, sich selbst und die Umwelt bewusster wahr zu nehmen und sich auf den Moment, die Situation zu konzentrieren. Baut sich Stress auf, weil Alltag oder Beruf schlecht strukturiert und mangelhaft organisiert sind, muss auf Abhilfe gesetzt werden: zum einen

* besseres Zeitmanagement und zweitens
* geordnete Arbeitsabläufe.

Fazit: der Mensch mit situativer Kompetenz geht regelmäßig den Ereignissen im Unternehmen, am Arbeitsplatz, in der Behörde und zu Hause auf den Grund; er analysiert und entsorgt alles, was er nicht braucht. Das entspannt und befreit.

Na, dann…!! Was? Sie haben Stress?! Warum eigentlich?

Wieviel Integration ist nötig…?? Mangelnde Beweise durch Mileustudie

Mitbürger mit Migrationshintergrund lernt man wohl am besten dann kennen, wenn man geneigt ist, sie zunächst mit sich selbst auf einer Stufe zu betrachten. Bleibt die Frage, wer dann nach einiger Zeit die Treppe rauf oder aber eine Stufe nach unten rutscht. Nicht, weil sich der eine erhöht, sondern weil der andere eben doch (noch) nicht auf die selbe Stufe gehört.

Eine freche und anzügliche Feststellung, doch könnte das sogar etwas mit der berühmten Kehrwoche, mit der Mülltrennung, mit dem Soziallärm oder auch mit der Bedeutung von Werktag und Sonntag zu tun haben.

Die nachbarlichen Lebenswelten sind in Deutschland weitaus vielfältiger und differenzierter als allgemein angenommen. Dazu bedarf es nun nicht zwingend einer Milieu-Studie, wie sie von Sinus Berlin als “Lebenswelten von Migranten” (November 2008) vorgestellt wurde. Manchmal reicht individuelle Beobachtung; gleichermaßen gesichert und für den Einzelfall repräsentativ.

Wissenschaftlich und soziologisch reicht das Spektrum allerdings vom vor-modernen, bäuerlich geprägten Milieu über gesellschaftliche Aufsteiger, vom Befürworter individueller Selbstverwirklichung und Emanzipation bis hin zu Menschen, die sich nicht anpassen wollen und unter Entwurzelung leiden.

“Ausländer” in der Kleinstadt

Auch in der Kleinstadt fallen Migration und Integration bisweilen deutlich auseinander. Denn bei Menschen mit Migrationshintergrund geht es eigentlich nicht um die Gesamtheit einer ethnisch einheitlichen Gruppe, sondern im Einzelfall um Zuwanderer oder einfach nur um ausländische Mitbürger, die dem weit verbreiteten Klischee vom integrations-unwilligen Mitmenschen mit Tatsachen entsprechen. Und wer zwei oder gar Großfamilien aus dem südost-europäischen Raum in naher Nachbarschaft hat, bisweilen durch gelungene Finanzierung ins Eigentum an einem Altbau geraten, der kann hautnah erfahren, dass Einzelne aus der nationalen Gruppe eine unangenehme, weil auffällig und bisweilen ungezogene Rolle spielen.

Migrante Nachbarn contra Leitbild

Unterstellt, dass die meisten Einzelpersonen oder Familien sich wie die übrige Bevölkerung an modernen, gebildeten und beruflich wie gesellschaftlich erfolgreichen Leitbildern orientieren, können allein schon zwei oder drei Familien beweisen, wie egoistisch “migrante Nachbarn” ihre bisherige, und eben nun mal fremde Lebensauffassung und Lebensweise auch in Deutschland praktizieren wollen.

Bürger und Einwohner, Mitmenschen oder Mitbewohner unterscheiden sich dann doch nach ethnischer Herkunft und sozialer Lage und damit zu oft auch nach ihren Wertvorstellungen und Lebensstilen. Die Werte und Vorstellungen des ‘Gastarbeiters’, des Einwanderers oder Übersiedlers sind dann auch oft icht die des Ziel-Landes. Dabei wird dann nicht mal der Einfluss religiöser Traditionen überschätzt, aber auf besondere Weise wahrgenommen. Sind Befragte auch der Meinung, Religion sei reine Privatsache, kann schon der geplante Bau einer Moschee lebhafte bis heftige lokale Diskussionen auslösen.

Fladen backen und Teppiche waschen

Dass Angehörige einer zahlenstarken ethnischen Gruppe sich “aktiv einfügen”, ohne ihre kulturellen Wurzeln zu vergessen, glaubt derjenige nicht, der es vor Augen hat: Matratzen, Hauswäsche und Teppiche, die zu allen Zeiten und auch an Feiertagen übern Zaun und Balkon hängen; Viel-Frauen-Back-Nachmittage am Fladen-Ofen in der Garage, die das gesamte Wohnquartier über sämtliche offenen Fenster mit Backduft überflutet, überquellende Müllgefäße und wöchentliche Grill-Events mit rücksichtslosem Sozial-Lärm… Fast vergessen, die hoch-tourig praktizierten Auto-An- und -Abfahrten mit Bass-Booster-Sound der Migranten-Jugend.

Wer also beklagt sich über Diskriminierung und Ausgrenzung beklagen, wenn angemessener Umgang in der “neuen Heimat” gar nicht praktiziert wird, obwohl man dort wohnen will, wo Herr Mustermann sich seit Jahrzehnten pfleglich um seinen Vorgarten kümmert.

Deutsch ? - Fehlanzeige!

Und so ist sie nicht so groß wie beschrieben und als gegeben reklamiert, die Integrationsbereitschaft samt des angeblich uneingeschränkten Integrationswillens. Bei 18 Prozent fehlt dann auch der Wunsch, dass Deutsch die Umgangssprache im Freundes- und Bekanntenkreis sein solle und könne. Dass gar die Mannsbilder in den Familien mal Hand anlegen in Haus, Hof oder Garten, ist als partnerschaftliche Aufgabenteilung auch unter Mitbürgern süd-ost-europäischer Herkunft eher nicht zu erwarten. Viel eher lockt schon mal das Kartenblatt im Kaffee-Haus.

Fazit: Integrationswille….recht und gut! Aber eben nicht überall….Und Fehler und Mängel sind eben nun mal auffälliger als die günstigen Fakten einer sozialen Harmonie.

Soziale Revolution durch die Unterschicht: Was kommt auf Politik und Gesellschaft zu?

Von der Mittelschicht zur Unterschicht sei kein weiter Weg. Wohl deshalb war schon länger nichts mehr zu lesen über die sozialen Kategorien der Einkommensbezieher nach deren Kaufkraft und Privatvermögen, wenn es darum geht, den eigenen sozialen Status oder den des Nachbarn zu bestimmen. Wo findet sich der Studienrat, der angestellte Malermeister, die alleinerziehende Friseurin oder der Oberarzt im Krankenhaus?

Begriffe wie “Unterschicht” oder “Kapitalismus” sind im offenen Diskurs der gesellschaftlichen Realität und der mittelfristigen Zukunft wieder erlaubt und nötig. Was aber gilt politisch und ist bei Politikern bereits angekommen? - “Der Begriff Unterschicht ist ein Begriff von lebensfremden Soziologen und hat mit Politik nichts zu tun”, so Franz Müntefering im Oktober 2006. Was nun vielleicht viele Politiker nicht wahrhaben wollen, das beschreibt die Wirtschaftsjournalistin Inge Kloepfer, Volkswirtin und Mitglied der Wirtschaftsredaktion der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, längst als Realität. Ihr Buch dazu trägt den Titel “Aufstand der Unterschicht”, worüber auch die ‘Kulturzeit’ in 3sat bereits ein Interview sendete.

Wer sich als Nachrichten-Seher mit Blick auf die Krawalle in Griechenland und anderswo in Europa fragt, wieso so etwas möglich ist, der gebe sich Antwort mit dem Buch “Aufstand der Unterschicht” von Inge Kloepfer. Die Autorin beschreibt das Versagen einer Gesellschaft und markiert deutlich, dass auch in Deutschland Zustände gelten und nicht schwer zu entdecken sind, die auch im Zentrum europäischen Wirtschaftens zu regelrechten Aufständen führen können.

Zwanzig von derzeit 100 Kindern bleiben aussichtslos ohne materielle Lebenschance einer wirtschaftlichen Selbstversorgung und gehen einer zweifelhaften Zukunft entgegen. Was passieren kann, wenn die Zustände nicht verändert werden, zeigt Inge Kloepfer gleich am Anfang ihres Buches.

Anschaulich schildert sie ein denkbares Szenario aus dem Jahr 2020: In der Münchner Innenstadt probt die Unterschicht den Aufstand. Verarmte Menschen, die wie Wohlstandsmüll ausgesondert und am Rand der Gesellschaft “entsorgt” wurden, nehmen sich, wovon sie glauben, dass es ihnen zustehe. Der soziale Frieden ist ebenso gefährdet wie der Lebensstandard einer überalterten Gesellschaft, in der immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Die Sozialsysteme steht kurz vor dem Kollaps…

Können Lehrer (noch) besser werden…

Wer wäre nicht gerne Leitbild - als Vater, Trainer, Lehrer oder als einfach nur als Mann?! Vorbild für andere zu werden, könnte sich bald in NRW einstellen, wo man die Lehrerbildung reformieren will. Aber weshalb eigentlich? Lehrer haben einen guten Ruf - das hat erst wieder die jüngste Umfrage der ZEIT gezeigt. Auch wenn die Lehrer es selbst oft nicht glauben mögen: Die meisten Bürger halten recht viel von der Arbeit, die Pädagogen für die Kinder tun.

Wenn dagegen allerdings immer mal wieder berechtigte Kritik an der Leistung der Pädagogen auftritt, liegt dies meist an den wenigen, ebenfalls weniger inspirierten Vertretern ihres Berufs. Womöglich gar - und recht bedenklich - auch an einer Ausbildung, die dem modernen Schulalltag schon lange nicht mehr gerecht wird.

Einen wirklichen Neuanfang in den Bundesländern zu wagen, hätte sich mit den geplanten Studiengänge oder deren Umbau hin zu den international vergleichbaren Abschlüssen Bachelor und Master bereits angeboten. Also den Praxisanteil im Studium erhöhen und dafür sorgen, dass die Studenten schon vom ersten Semester an und regelmäßig danach den Schulbetrieb von innen sehen. Enttäuschungen am Ende des Studiums wären auf diese Art zu vermeiden, wenn die Referendare bei ihrem ersten Dienst in der Schule dann feststellen, dass sie eben ganz sicher auch langfristig mit Kindern klarkommen.

Gleiche Lehrer für alle Schularten

Schluss machen sollte ein Neuanfang auch mit den Kategorien Grundschul-, Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiallehrern. Das Studium sollte gleichwertig orientiert sein, was am Ende auch die Lehrer in den Augen der Öffentlichkeit gleichwertig macht. Auf Tiefe bei den fachwissenschaftlichen Inhalten zu verzichten und die ersparte Zeit für Kurse in Pädagogik und Fachdidaktik einsetzen zu können, könnte Sinn machen. Doch die meisten Bundesländer haben ihre Studiengänge auf Lehramt umgebaut, ohne auf Wissenschaftler und Pädagogen zu hören.

Doch gibt es eben auch Ausnahmen: Nordrhein-Westfalen will die Empfehlungen einer Expertengruppe unter dem deutschen Bildungsforschers Jürgen Baumert vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung umsetzen. Der Plan: mehr Praxisanteile, gleichwertige Studiengänge und ein neu gestaltetes und gekürztes Referendariat. Nicht immer ist BaWü das Musterländle, sollte den Kultusministern in den Ohren klingeln. Hoffentlich hören sie es, dann könnte sich der überfällige Neuanfang in der Lehrerausbildung einstellen. Fehlt dann nur noch die passende Umstellung der Klientel - ob hierbei die Eltern Leitbild sein können…

Ihr Kinderlein kommet… / Kinder und Jugend in der Republik

“…und…Äktschen!” - Deutschland ist auf dem besten Weg, eine kindgerechte Gesellschaft zu werden, hoffen auch Parlamentarische Staatssekretäre, denn das Bundesfamilienministerium legte jetzt (Nov. 2008) seine Zwischenbilanz zum “Nationalen Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland 2005-2010″ vor. Und deshalb mal an alle Kritiker - “alle Achtung”: Die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland verbessert sich merklich, so das Fazit zum Zwischenbericht über den zum Nationalen Aktionsplan “Für ein kindgerechtes Deutschland 2005-2010″ unter der Devise schützen, fördern, beteiligen.

Mit einem umfangreichen Aktionsplan will die Bundesregierung die Situation von Kindern und Jugendlichen in Bildung, beim Schutz vor Gewalt und in ihrer Gesundheit verbessern. Man sieht sich dabei auf dem richtigen Weg, so die Getreuen im Ministerium, denn auch das “Kinderförderungsgesetz” habe die letzten juristischen Hürden zum Ausbau der Kinderbetreuung beseitigt. Nach ministerieller Ansicht ein wesentlicher Meilenstein für mehr Kinderfreundlichkeit! Wenn jetzt Mama nur nicht zu den so genannten Multi-Jobbern zählen würde, seit sie sich im Alter von 51 von ihrem Mann getrennt hat; oder auch er sich von ihr. Für die 15-jährige Tochter zahlt er, doch sie geht während der Woche gleich vier Jobs nach - bis in den späten Abend.

Das nun weiß die Ministerin von der Leyen eher nicht und denkt auch nicht dran. Sie lässt derweil verkünden: “Wenn wir unser Land fit machen wollen für die Zukunft, müssen wir die Voraussetzungen für Kinder und Jugendliche jedoch weiter verbessern. Am Ziel sind wir noch nicht, aber wir setzen den Weg gemeinsam konsequent fort”. Schön und gut; aber wie geht’s für die Tausende der gekündigten Leiharbeiter zum Jahresende 2008 weiter…? Wenig Geld, wenig Kaufkraft….soziale Armut eben!

Ergebnis im Zwischenbericht

Doch gerechte und möglichst gleiche Chancen in der Bildung für alle Kinder und Jugendlichen stehe ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Dabei blieb der jüngste Bildungsgipfel in seinen Ergebnissen von den Praktikern aus betrachtet umstritten. Höhere Ausgaben für Bildung und Forschung wurden zwar beschlossen und auch die Qualifizierungsinitiative “Aufstieg durch Bildung” ins Leben gerufen. Doch fehlt es an Schulen vorne und hinten, und das nicht nur an immobilen Gütern wie dem Schulhaus.

So bleibt zwar festzustellen, das Bundesfamilienministerium hat im Bereich Prävention vor Gewalt mit dem Aktionsprogramm “Frühe Hilfen” wirksame Bausteine gegen Vernachlässigung und Missbrauch von Kindern geschaffen. Und auch im Bereich Gesundheit wurde ein Aktionsplan beschlossen, um noch gezielter gegen Bewegungsmangel und schlechte Ernährung bei Kindern und Jugendlichen vorzugehen.

Mit Hunger zur Schule

Doch tausende Kinder werden auch die nächsten Monate ohne Frühstück zur Schule gehen und eine oder zwei Wochenstunden Sport für minderjährige Berufsschüler gab es eigentlich noch nie. Ministeriell angepriesen bleiben also wirksame und verlässliche Familienleistungen wie das Elterngeld oder das erhöhte Kindergeld - sie schützen Familien vor dem Abrutschen in Armut. Wenn denn nicht schon abgerutscht ist…?

Ein Wunsch bleibt: für die zweite Halbzeit des Nationalen Aktionsplans soll es geschafft werden, noch stärker als bisher auf die konkreten Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen einzugehen, so die politischen Beamten im Ministerium. Wissen die doch sich aus vielfältiger Lebenserfahrung, “dass Alltag sich vor Ort in der Familie, in der Schule, im Stadtteil oder im Sportverein abspielt”. Deshalb müsse es gelingen, guten Ideen noch stärker in den Kommunen, den Institutionen vor Ort und den großen und kleinen Vereinen zu verankern. Na, denn…

Gruß von Ursel: An alle Alleinerziehenden in Deutschland

Ihre Potenziale, die Lebenssituationen und ihr Bedarf an Unterstützung

Mit “Monitor Familienforschung” Nr. 15 wendet sich eine der drei populärsten Ministerinnen der Republik zu Wort. Nicht über die Mikrofone und auch nicht über TV-Kameras; es ist einer der Newsletters, den viele der Adressaten jedoch nicht bekommen können: Alleinerziehende - ohne Zeit und Geld für den Hoch vor dem heimischen PC.

Und dennoch gilt das geschrieben Wort! Die Ministerin von der Leyen wörtlich: Die meisten Kinder wachsen bei ihren leiblichen Elternteilen auf. Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Mütter und Väter, die ihre Kinder alleine erziehen. Das nun sei in aktueller Zeit glücklicherweise kein persönlicher Makel mehr. Schließlich zeigen repräsentative Untersuchungen, dass sich die meisten dieser Familien schnell stabilisierten und viele der von familiärer Trennung betroffenen Kinder die Scheidung der Eltern gut bewältigt hätten.

Schön, wenn die Ministerin sich dies durch Soziologen oder Interviewer hat bestätigen lassen. Das aber heißt nicht auch, dass man sich die Situation tatsächlich vorstellen kann, die auch noch “glücklicherweise” eine solche sein könne. Und so wird skizziert und spekuliert, wie das denn real sein mag: “Trotzdem sind viele Alleinerziehende auf Unterstützung angewiesen - von Familien und Freunden aber auch von Seiten des Staates.”

Doch die Wahrheit ist längst eine solche aus der Kategorie “Binsen”: Kinder von alleinerziehenden Eltern sind viel stärker von Armut betroffen als Kinder mit zwei Elternteilen. Warum? Weil es für die alleinerziehende Mutter oder den ebensolchen Vater es auch ungleich schwerer ist, arbeiten zu gehen und auch Zeit für die Familie zu haben. Klar, dass da “die gesamte Verantwortung schwer auf den Schultern lastet…” Und was ist der Ministerin wichtig? Wichtig ist der medialen Über- und Mehrfachmutter, dass Alleinerziehende und ihre Familien die Chance haben, auf wirtschaftlich eigenen Füßen zu stehen. So wie Kinder kein Armutsrisiko sein dürfen, darf auch das Fehlen eines Elternteils kein Armutsrisiko sein.

Doch ist es ein Armutsrisiko! Leider! Denn trotz des Respekts, den Alleinerziehende verdienen, gäben sie zwar Tag für Tag ihr Bestes und liefen zu Höchstleistungen auf. Doch fehlt eben meist auch die Kaufkraft, sich als Verbraucher so richtig oder eben einigermaßen wohl zu fühlen. Da nutzt dem oder der Betroffenen nicht, dass ihm ein Lob entgegenschlägt, er sei nicht nur bei der Erziehung der Kinder im 24-Stunden-Dauereinsatz, sondern vollbringe tagtäglich auch wahre Wunder bei Organisation und Zeitmanagement.

Da klingt es geradezu wie Hohn, wenn erklärt wird, Alleinerziehende machten vor, wie Familienleben auch unter schwierigen Bedingungen “funktionieren” kann. Doch wirtschaftlich eher schlecht als recht… Da darf dann gerechnet werden im “engmaschigen Netz der Unterstützung”: mit dem Elterngeld und dem Ausbau der Kinderbetreuungsangebote. Nach der Ministerin’ Wort wesentliche Schritte, um Alleinerziehende finanziell zu entlasten und ihnen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

Und weil die Hoffnung zuletzt stirbt, hofft und wünscht Frau von der Leyen, dass Alleinerziehende in Zukunft mit großem Selbstbewusstsein auf eigenen Beinen stehen und für sich und ihre Kinder sorgen können. Bleibt die Frage: Warum können viele Menschen und insbesondere Alleinerziehende so schlecht mit Geld umgehen…? Weil sie keines haben!

Darum halt Schöne Grüße von Ursula von der Leyen
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Monitor Familienforschung: Alleinerziehende in Deutschland - Potenziale,
Lebenssituationen und Unterstützungsbedarfe

Geschieden und dann….? Wenn Väter vor Gericht abblitzen!

Er heißt Max oder Moritz, Lehman oder Wildmoser - und in vielen Fällen hat jeder von ihnen seine eigene Rechtsauffassung. Manch einer glaubte gar, das Gesetz auf seiner Seite. Doch so manches Amtsgericht bremst den Beklagten schmerzhaft aus. Ausgebremst in der Annahme, man könne als geschiedener Vater in Zukunft die Unterhaltszahlung an die Ex für die Betreuung von Sohn oder Tochter einstellen.

Doch Fehlanzeige: derzeit und bis auf Weiteres ist die geschiedene Frau nicht verpflichtet, mehr als halbtags zu arbeiten, urteilen Familiengerichte. Beschwerde gegen eine solche Entscheidung werden von den Oberlandesgerichten abgelehnt. Wer daraus den Inhalt für eine Petition an den Bundestag ableitet, weil er meint, dass ein neues Gesetz ignoriert werde, für dessen Gültigkeit er kein Einzelfall sei, der muss sich zu Unterhalt und Familienrecht und der vermeintlich falschen Rechtsprechung wider Recht und Gesetz gedulden. Hoffnung bei geschiedenen Vätern, Bangen bei Alleinerziehende, als ab Januar das neue Unterhaltsrecht galt.

Mit mehr Eigenverantwortung nach der Scheidung wurde das Gesetz propagiert; das Ende einer tradierten Rechtslage sei eingeläutet; mehr Gerechtigkeit gelte jenen Kindern aus einer neuen Partnerschaft gegenüber jenen aus der Ehe. Ob an die hoch dotierten Chefärzte gedacht war, die nicht mehr für die Verflossene den alten Lebensstandard sichern müssen, oder an Mütter, denen früh genug zumutbar sei, beruflich wieder für sich selbst zu sorgen - keiner sprach es aus. Doch ist die pure Hausfrauen-Ehe eben nicht mehr die Regel, sondern eher die Ausnahme. Ein eher starres Altersphasenmodell regelte bislang den Betreuungsunterhalt an die frühere Frau. Jetzt scheinen die Alimente eine Frage der “Billigkeit”.

Sobald das gemeinsame Kind älter als drei Jahre ist, ist der Einzelfall entscheidend, so das Gesetz, wie für das das Wohl des Kindes zu sorgen ist und wie Betreuungsangebote von der Mutter - oder eben auch vom allein erziehenden Vater - zu nutzen seien.

Die Ex im Halbtags-Job

Wer zahlen muss, dem bleibt zum eigenen Leben wenig: zwei Kinder kosten schon mal 700 Euro, für die Frau im Halbtags-Job sind 350 oder mehr nicht selten. Doch die Zahlung an die Ex möchten Max oder Moritz, Lehmann oder Wildmoser eher streichen. Der Wechsel auf eine Vollzeitstelle sei für die geschiedene Alleinerziehende zumutbar, zumal wenn man als Vater mit Sorgerecht in der Nähe wohne, sich regelmäßig um die Kinder kümmere und ein Kind auch noch die Ganztagsschule besuche. Wer sich bei solcherlei Tatsachen nur noch befristet einen Unterhalt an seine Frau erhoffte, der lag meist falsch.
Denn sich vom bisherigen Recht zu lösen, ist schwieriger als angenommen, so auch die Scheidungsanwälte. Spannend war es, bis die Juristen nach Monaten erfahren mussten, wie Gerichte das neue Gesetz umsetzten. Die Tendenz an Amts- und Oberlandesgerichten ist bereits erkennbar:

  • der Mutter erst ein Halbtagsjob zuzumuten, wenn das Kind acht Jahre alt ist
  • und eine Vollzeitstelle, wenn der Nachwuchs seinen 14. Geburtstag hinter sich hat.

Zugunsten Alleinerziehender

Und auch der Bundesgerichtshof (BGH) entschied in einem seiner ersten Urteile zum neuen Unterhaltsrecht zugunsten von Alleinerziehenden, die häufig zwischen Beruf und familiärer Fürsorgepflicht aufgerieben werden. Die Erwerbspflicht bereits drei Jahre nach der Geburt des Kindes verneinte das Gericht; selbst wenn das Kind ganztags die Schule oder den Kindergarten besuche, könne vom betreuenden Elternteil nicht zwingend ein Vollzeitjob erwartet werden. Auch wenn die Kinder älter seien, müsse auf die Doppelbelastung von Alleinerziehenden im Einzelfall Rücksicht genommen werden.

Unterstützer gesucht!

So haben sie sich denn schon zusammengefunden: Hunderte von enttäuschten Unterhaltsverpflichteten, die alle auf befristeten Unterhalt für die Ex hoffen. Doch bei Gericht sind einzelne Kläger bereits abblitzte, obwohl das gemeinsame Kind bereits 20 Jahre alt ist und nicht mehr zuhause lebt und obwohl die frühere Frau längst einen neuen Freund hat. Übers Internet werden Unterstützer gesucht, um den Bundestag zu veranlassen, die Regeln zum Betreuungsunterhalt konkreter zu fassen. Erwartet werden klare Kriterien für die Einzelfallprüfung.

Beim Bundesjustizministerium ist die Haltung jedoch ablehnend; eingeräumt werde, dass “einige wenige Oberlandesgerichte” erneut Pauschalierungen mit Blick auf das Alter des Kindes vornähmen, was in Fachkreisen auf Kritik stoße. Eine kurzfristige Nachbesserung des Gesetzes wird jedoch abgelehnt. Viel eher rät das Ministerium zu Geduld: Wie bei jeder Reform habe jede Umstellung auch eine zeitliche Komponente.