Monatsarchiv: September 2009

Schwänzer haben schlechte Karten

300 000 Schüler verweigern den Unterricht - Aber weshalb…??!!

Getagt wurde von Fachleuten in Osnabrück. Erschreckendes Ergebnis: Rund 300.000 Schüler verweigern den regelmäßigen Schulunterricht. In der Folge dürfte dies die Chancen auf eine erfolgreiche Ausbildung und den späteren Beruf zweifelsfrei erheblich belasten.

Wie aber ist zu helfen, wie zu überzeugen, wie ist an die Pennäler ranzukommen? Nach Ansicht von Bildungswissenschaftlern, wie Professor Karlheinz Thimm von der Evangelischen Fachhochschule Berlin, sind Schule und Jugendhilfe stärker zu vernetzen.

Doch im Hintergrund macht sich jeweils eine Problemfamilien bemerkbar, die konsequent aufgesucht werden müssen. Den sozialen, pädagogischen Spiegel vorzuhalten, reicht aber nicht, weil Schule zu oft und stets individuell als ein Ort empfunden wird, der nicht gerade das Wohlgefühl erhöht.

Damit gilt nun auch die Rolle der Lehrer angesprochen, Mal wieder, werden deren Berufsvertreter sagen. Doch ist eines zumindest klar: Schüler, die pro Halbjahr mehr als zehn Tage unentschuldigt fehlen, sind in jedem Fall Schulverweigerer.
Wer dauerhaft und nahezu regelmäßig die Schul schwänzt, dem nun soll der “Verzicht auf Bildung” und die Absenz von der Schule so unbequem wie möglich gemacht werden.
Schüler seien dort zu stören, wo sie sich in eine Alternative jenseits der Schülerrolle einnisten, so die Experten. Hilfe dann also mit den Lehrern, die sich stärker um hilfsbedürftige und ge-mobbte Schüler kümmern sollen.

Drei wesentliche Ursachen werden beim ständigen Schulschwänzen markiert:
* Schüler haben oft große Lebensprobleme in ihrer Familie, woraus es den Kindern und Jugendlichen in ihrem Status wie “Blei in die Glieder” fährt.
* andere Kinder haben schon in der Grundschule vergleichsweise Schlechtes gegenüber anderen Schülern erlebt, weshalb sich mancher “klein mickrig und minderwertig” fühle und .
* die dritte Gruppe von Schülern rutsche nach gelegentlichem Schwänzen immer stärker in die Schulverweigerung hinein.

Da fehlt man mal montags oder bei ‘ner Klassenarbeit, unentschuldigt wohlgemerkt, und kommt so in die Verlegenheit von “Lügen und schulfeindlichen Realitätskonstrukten, die schleichend wegführt von der Rolle eines Schüler, der seiner Aufgabe nachkommt“.

Nur nicht grad so reinrutschen lassen

Und gerade bei denjenigen, die ins Schwänzen grad so reinrutschen , ist es wichtig, sie dabei zu stören. Als gute Idee gilt wenn auch städtische Vollzugsbeamte während der Unterrichtszeit darauf achten, wer wo in der City rumstrolcht und dann eben angesprochen und “aufgegriffen wird.
Wer von der Schule in der Familie oder von Betreuern in der Jugend-Wohngemeinschaft angerufen werde, habe sich gut zu überlegen, warum er in der Schüler im Unterricht fehle.

Lehrer können also alle Aufgaben, wie die der Sozialarbeiter, bei familiären Problemen eher nicht übernehmen. Das gehöre nicht zur schulische Aufgabe, wo man dann dafür sorgen müsse, dass die Schüler am Ort der Bildung gestärkt statt geschwächt würden.
Neu für die meisten Lehrer dürfte das “schulische Mobben” sein, das unter Schülern zunehme, was auch die Klassengemeinschaft beeinträchtige.
Also, Lehrer: Aufpassen, wie vormittags die Schüler-Schüler-Beziehungen ablaufen, weil das ganz sicher ins Pflichtenheft des Pädagogen gehört…

Schlägt mein Herz “LINKS”?

Demokratie beginne im Kleinen, so nicht nur die Lehrer für Gemeinschafts- oder Sozialkunde, und in diesem Sinne steht schon Anfang nächsten Jahres ein wichtiges Ereignis an, nämlich die Betriebsratswahl. 2010 bedeutet damit für jeden Kandidaten oder den schließlich Gewählten “die” Herausforderungen.

Zwischen März und Mai liegt das Zeitfenster für die regelmäßigen Betriebsratswahlen, wofür wohl jetzt schon die Vorbereitungen zu treffen sind. Doch leichter gesagt als getan und umgesetzt, denn dazu gehört nicht nur, einen Wahlvorstand zu finden und diesen zu bestellen, zu planen ist auch ein Wahlvorstands-Seminar, damit die Beteiligten die Grundlagen des Prozederes zu lernen oder aufzufrischen, um die demokratische Wahl im Betrieb nach Gesetz abzuhalten.

Fürs gemeinsame Ziel: Kandidaten

Klare Frage weit vor den Wahlen: wer sind die möglichen Kandidaten? Lässt sich dazu über die bisherigen Räte deren ‘Bestand’ bestimmen und die zugehörige Altersstruktur, ist schon einiges gewonnen.
Wer also kandidiert erneut für 2010? Wer will altershalber nicht mehr antreten, wer hat welche Karriere vor sich und wer lässt sich so einfach “finden”? Denn Nachhaltigkeit ist auch für dieses Gremium eine wichtige Sache.

Wo aber sind die engagierten Kandidaten für diese Aufgabe zu finden? Als Zielgruppe gelten ganz sicher die gewerkschaftlichen Vertrauensleute in den Betrieben; jene Personen, die sich in ihrer Freizeit bereits ohne Mandat den Belangen der Kollegen widmen. Eine solche Arbeitsplatz-relevante Haltung
ist eine wichtige Voraussetzung für ein künftiges Betriebsratsmitglied. Als “Anwalt der Beschäftigten” ist nämlich dann noch mehr zu opfern, weil es oft auch um bessere Arbeitsbedingungen im Betrieb geht, und weil dazu das soziale Engagement erforderlich ist.

Vergleichbares gilt für die Vertretung der Jugendlichen und der Auszubildenden sowie für Schwerbehinderte. Lassen sich auch Frauen und junge Beschäftigte zu Kandidaten küren, sind es genau die Beschäftigungsgruppen, die immer noch zu gering in den Betriebsratsgremien vertreten sind.
Der sog. “Arbeitskampf” zwischen den Sozialpartnern und eventuelle Maßnahmen im Tarifstreit binden die abhängig arbeitenden Kräfte im Betrieb, was jene überzeugen kann, die bereit sind, für den sozialen Ausgleich und für die Interessen der Beschäftigten einzutreten.

Bin ich ein potenzieller Kandidat?

Wer sich diese Frage stellt, der muss klare Voraussetzungen erfüllen: 18 Jahre alt und mindestens 6 Monate im Betrieb! Nur dann kann man überhaupt kandidieren.
Als weitere Frage gilt: Lässt sich die Betriebsratsarbeit mit der täglichen Arbeitsbelastung vereinbaren? Bin ich in der Lage, komplizierte rechtliche Vorschriften zu verstehen und anzuwenden?
Davor muss man nun keine Furcht haben. Betriebsräte werden nicht geboren,
weshalb der Gesetzgeber zum Grundlagenwissen einen persönlichen vierwöchigen Schulungsanspruch für Betriebsratsmitglieder in deren erster Wahlperiode in § 37 Absätze 6 und 7 BetrVG festgeschrieben hat
Außerdem stehen erfahrene Betriebsratskollegen sowie die Mitarbeiter der Gewerkschaften mit Rat zur Seite.
Auch dem erhöhten Arbeitsaufwand wird entsprochen: in § 37, 1, 2 BetrVG ist geregelt, dass das ehrenamtliche Betriebsratsamt während der Arbeitszeit ausgeübt wird. Für die vom Betriebsrat aufgewandte Zeit muss der Arbeitgeber für personellen Ausgleich sorgen.
Was kommen wird, ist der Blick fürs Ganze und über den betrieblichen Tellerrand hinaus - dann darf das Herz links schlagen! Als Sozialpartner eben!

Wie macht man Politik für mehr Kinder…?

Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, den schickt er nicht bloß in die weite Welt, sondern lässt ihn Vater und Mutter und Familie werden. Schön gedacht, doch für viele Individuen nun aber nicht wahrlich die Lebensplanung schlechthin.

Wie aber Kinder und ihre Rechte ins Zentrum der Politik stellen, damit sie alle von Anfang an gerechte Chancen haben? Sie in ihren vielfältigen Fähigkeiten und Talente entwickeln und ihnen das Recht sichern, geschützt und gesund aufzuwachsen.

Wie fest aber ist der Halt, sind Geborgenheit und Anregungen für die kindliche Entwicklung? Was bringt unsere Gesellschaft der jährliche Weltkindertag am 20. September? Die UN-Kinderrechtskonvention hat die Nationen verpflichtet, eine kinderfreundliche Welt zu gestalten. Dabei sind die Recht auf
Bildung, der Schutz vor Misshandlung und Vernachlässigung, auf angemessene Lebensbedingungen und auf Gesundheit die sozialen Ziele, die von der Politik zu realisieren sind.
Um als Familie mit all den Kinderrechten zu leben, muss die Politik aber Tatsachen schaffen, die unabhängig vom Geldbeutel der Eltern vor allem auch die Bildung als Ressource erster Ordnung mit Chancengleichheit versieht.

Millionen erforderlich

Die Infrastruktur an Bildung hat dann auch zu sorgen für Rechtsanspruch auf Förderung und Betreuung bis 2013 für mindestens ein Drittel der unter Dreijährigen.
Auch wenn Konjunkturprogramme nach Ziffern gezählt werden, sind es erforderliche Millionen, die künftig für frühkindliche Infrastruktur, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, Hochschulen sowie außer-universitäre
Forschungsinstitute benötigt werden. Und schließlich ist es die Qualifizierung des Personals, was sich über ein Gütesiegel für Bildungsträger wird messen lassen müssen.
Vor allem Mehr-Kind-Familien und Familien mit niedrigen bis mittleren Erwerbseinkommen sollen familienpolitische Leistungen erfahren, was dazu führen muss - unabhängig von Parteigezänk - dass das Kindergeld erhöht und gestaffelt bei den Familien ankommt, dass Kinder-Bonus und Schulbedarfspakete helfen, um trotz Wirtschaftskrise über die Erst-Runden zu kommen.

Hunger und Armut noch nicht besiegt

Der stabilen Familie dienen deshalb mehr Kindergeld, ein erhöhter Kinderzuschlag: bei der Steuer, Unterstützung für sozial benachteiligte Kinder, erhöhte Regelsätze ab 6 bis 13 Jahren ein Kinderbonus als Einfach- oder Mehrfachzahlung.
Wenn in den vergangenen Jahren auch der Kinderschutz in Deutschland
deutlich verbessert wurde, gibt es noch immer Lücken, die dringend zu schließen sind. Das weiß nicht nur die junge fürsorglich betreuende Mutter und der besorgte Vater, Prävention und Intervention könnten und sollten durch ein Kinderschutzgesetz gestärkt werden, es ist die Familienhebamme auf gesicherte Finanzierung zu stellen und es muss die Beziehung zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe geregelt werden.
Wenn die 9. Vollversammlung der Vereinten Nationen vor 55 Jahren als die Geburtsstunde des Weltkindertages gilt, weil den Mitgliedsstaaten ein weltweiter Kindertag empfohlen wurde, muss der Weltkindertag am 20. September in mehr als 145 Staaten mit Blick auf die Realitäten in aller Welt als ein noch immer zartes Pflänzchen bezeichnet werden. Denn Hunger ist kein guter Koch, schon gar nicht, wenn Kinder sterben, bevor sie ins bildungsfähige Lebensalter kommen.

Damit Jungs wieder die klugen Mädchen mögen

Mädchen sind die besseren Jungs! - Doch ob Junge oder Mädchen, Statistiken sagen nichts über das Individuum aus. Da kann die Meldung, dass trotz Pisa in der Schuldebatte zu wenig durchgedrungen sei, dass die Schulergebnisse der Mädchen im Vergleich zu denen der Jungen seit langem ständig besser wurden, zunächst wohl auch nur statistisch gelten.

Als zunächst reines Datenmaterial gilt, dass seit 1990 die Zahl der Abiturientinnen von knapp 90 500 auf 145 500, die der Abiturienten von 88 500 auf 113 000. Und so waren 2007 bereits 56 Prozent der Abiturienten weiblich. Da blieb nicht aus, dass sich bei den Hochschulabsolventen ein ähnlicher Trend darstellt.
Sieht man es gesamtwirtschaftlich, wird also das Humankapital auf formaler Ausbildung weiblicher. Werden nun gleichzeitig Bildungspotenziale von Schülern verschenkt? Und wird sich im gesellschaftlichen Leben tatsächlich die Balance verschieben? Von der Partnerwahl bis hin zu den beruflichen Aufstiegen neuer Art?

Buben in den 50ern

Wer zum Beispiel 1955 eingeschult wurde, der hat zwar nicht auch unbedingt gleichaltrige Mädels in der Klasse kennen gelernt, weil diese noch auf die Mädchenschulen gingen, doch waren dann vier Jahre später noch über 60 Prozent der Sextaner an den Gymnasien Jungen. Nicht weil dise schlauer und bildungsfähiger waren, sondern weil der “alte Vätersatz” galt: “Du heiratest ja doch!” Das nun benachteiligte das Jungmädchen-Volk. Ob an Realschulen oder nach der Zehnten am Gymi - mehr Mädchen als Jungen traten nach der mittleren Reife in ein Lehrverhältnis.
Mit Beginn der 80er-Jahre wurde diese ‘Diskriminierung’ geringer; in der Sexta und in den Klassen R5 wurden die Mädchenquoten höher und reichten bis zu 52 Prozent und darüber.
Und spätestens seit der Jahrtausendwende zeigen die noch höheren Abiturquoten der Mädchen auch bessere Leistungen während der Oberstufenzeit. Physiologisch und neurologisch beweisen die Mädchen bei anderer Konstitution, bei höherer Lern- und Kooperationsbereitschaft und bei höherer Konzentrationsfähigkeit mehr Schultalente als Jungen. Die nämlich sind ab 14,15 oder 16 ungeduldiger, spontaner, undisziplinierter und weniger motiviert.

Falsche Emotionen am PC

Muss nun die Soziologie ein “Endlich!” posaunen oder auch mit Beifall reagieren? Eher nein, denn es entsteht eine neue Ungleichheit. Wenn nämlich Jungs zurück bleiben, hängt das zusammen mit der Bedeutung der elektronischen Medien und der faszinierenden Kunst- und Emotionswelt der Computerspiele. Diese Mischung aus strategischem Teamerlebnis, aus Glücksspiel und auch aus Brutalität ohne Empathie wird vor allem von jedem sechsten Jungen fast täglich für mehrere Stunden wahrgenommen.

Bei solchen Attraktionen bliebt die Schule aussen vor; der Unterricht und die Lehrer haben dem nur wenig an packendem Ersatz entgegen zu stellen.
Sich zu emotionalisieren steht vor allem bei den Jungs bereits schon als Sucht +über Absorption in Konkurrenz zum neuen Lernen, das immer klarer introvertiert und autogen bezogen stattfindet. So wird ein kultureller Widerspruch zugelassen, den Jungs nur schwer bewältigen.

Eltern und Erzieher haben zu dieser Scheinwelt eines negativen Empathietrainings und der Sofortbefriedigung so gut wie keinen Zugang. Was entsteht ist ein Verschleiß an Motivation, der verhindert, dass auch Jungs sich altersgerecht sozialisieren.
So gilt die Realität eines oft langweiligen Schulalltags oder eines Wochenendes ohne Ereignis und Bewegung als Ursache für die Gegenrealität mit verführerischer Faszination. Kein Wunder, dass die Noten bei den Jungs je nach Fach und Lehrer schlechter werden.
Deswegen betonen Soziologen und Psychologen, dass Alltagsrealität und Gegenrealität der Medien nicht zusammen passen, weil über Computerspiele die Lebenswirklichkeit emotional nicht geübt werden kann. Spiel wird zur Sucht, zur lenkt von der Realität ab. Trotz anspruchsvoller und spezieller Strategien in der digitalen Kunstwelt baut diese keine Brücken in den Alltag und erschwert es, die Realität zu bewältigen.

Schon wieder die Lehrer

Dann also doch und endlich ran an die Eltern und an die Schulen und an die Lehrer. Wer nicht nur Symptome bekämpfen will, der muss alles daran setzen, dass alle Fähigkeiten über die Schule faszinierend und mobilisierend angeregt werden.
Kontrolliert und mitgestaltet von Eltern und Schülern und wo der Lehrer einem Ganztagsjob nachgeht und ständig Ansprechpartner sein kann.

Neben Lehrplan und Lernstoff bedarf es der Anregung und der Räume für selbst gewählte Projekte, für Wettbewerbe, sportliches Training und Ereignisse. Doch leichter gesagt als getan. Auch wenn Interessen nach Gestaltung und Kunst ausgelebt werden sollen, bedeutet dies eine Reform, die nur für Blauäugige und Phantasten schon morgen gestartet werden kann. Wer kann bei leeren kommunalen Kassen schon Ganztagsschulen mit Ganztagslehrern - wenn diese das altersabhängig das überhaupt wollen - “relativ rasch schaffen”?

Doch eines gilt schon: in Schulen, in denen man Schülern mit Attraktivitäten begegnet, die auch körperlich auslasten und wo Abläufe gewollt anstrengend sind, wird Aggressivität und Ungeduld abgebaut. Lassen sich also Schulen, die auch Jugend- und Freizeitzentrum sind, auch ohne Parteiengezänk schaffen?
Mehr Freiraum für Kommunen, Eltern und Lehrer und mehr Transparenz und Evaluation könnte Bewegung rein bringen. Doch erst, wenn die Jungs die Mädchen wieder eingeholt haben, würde man wissen, dass alle Schüler als Individuum gefördert sind und sie nicht nur für spezielle Eigenschaften mit Noten belohnt werden.

Einfach mal was aufschieben…Ja nicht!

“Mach schnell zu!”, forderte Silke Z., als ihr Mann Claus - beide bereits ausgeh-bereit - feststellte, dass die Ketchup-Flasche im Kühlschrank gekippt und teilweise ausgelaufen war. Das war vor mindestens 30 Jahren und längst ist die heitere Erinnerung daran stärker als der “Schaden” damals war. Andere loben dagegen den Sinnspruch im Volksmund “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!”

Wer die “inner Sperre” spürt, wenn es darum geht, sich nicht ums Putzen, Aufräumen oder Erledigen zu kümmern, der leidet oder besser, der ist gezeichnet. Gezeichnet von “Prokrastination”, dem “Aufschieben”, dem Aufschiebeverhalten, dem Handlungsaufschub oder einfach nur von Aufschieberitis. Eine dann doch weniger tugendvolle Angewohnheit, notwendige, aber unangenehme Arbeiten immer wieder zu verschieben, statt sie zu erledigen.

Aktion contra Langeweile

Sind Menschen wesensbedingt unterschiedlich motivationsabhängig, schaffen es einige nur mit großer Überwindung, Tätigkeiten überhaupt auszuüben, wenn diese zudem noch als langweilig empfunden werden und ein Nutzen nicht zwingend mit der Handlung einher geht, sondern erst später.
Dabei ist das Bewusstsein klar, dass diese Nachteile durch den Aufschub hat
was seinerseits Unlust oder sogar Angst auslöst.
Begleitende Negativgefühle hemmen die nötige Aktion oder machen diese gar unmöglich.
Da wird der mehrfache Aufschub, unangenehmen Aufgaben immer wieder auf später zu verlegen zu einem wahren “Teufelskreis”. Frei nach dem Motto: Gute Vorsätze sind dazu da, sie stets wieder umzustoßen.
So kann Angst entstehen, es folgen Scham und Druckgefühl, die gleichermaßen und als Anschluss den Aktionismus unterminieren.

Das Ich und sein Selbstregulationsniveau

Vorsatz allein reicht also nicht, mehr Selbstdisziplin beweisen zu wollen. Das Problem manifestiert sich! Fallweise kann eine psychologische Beratung und im Extrem auch eine medikamentöse Behandlung das “Selbstregulationsniveau” anregen.
Obschon in den USA 1999 bei 40 Prozent der Befragten erkannt, dass Aufschieben Nachteile bereitet, leidet heute noch jeder Vierte an chronischem Handlungsaufschub. Das Phänomen des Aufschiebeverhaltens und das einer schlechten Arbeitsplanung wird längst mit dem Begriff “Studentensyndrom” diagnostiziert.

Und wie wird’s besser…?

Das unangenehme Gefühl für Betroffenen, die sich gegen “prompte Erledigung” sträuben, entsteht wohl dadurch, dass Prioritäten unklar gesetzt werden, dass schlecht organisiert wird, dass es an Impulsivität und Sorgfalt mangelt, dass Aufgaben als langweilig gelten oder auch mit Ängste und falsch verstandenem Perfektionismus verbunden werden.

Kognitiv, also die Erkenntnis betreffend, findet häufig eine dys-funktionale Verzerrung beim Betroffenen statt. Er schätzt seine Zeiten schlecht ein, überschätzt, wie künftige motivische Zustände wirken, und unterschätzt den Zusammenhang zwischen der Aufgabe und dem zugehörigen, interaktiven Gefühlen als mentale Verbindung.
Betroffene äußern ihre Haltung so, dass ihnen Arbeit nur dann etwas brächte,

Weitere Diagnosen markieren Versagensängste und den Neurotizismus, der Angst davor, dass das eigene Wohlbehagen gefährdet ist. Hinzu kommen ein Mangel an Selbstwirksamkeits-Erwartung und Selbstachtung oder auch die Haltung, dass Feedback und Selbsterkenntnis fehlen.

Für Prokrastination existiert dann aber auch ein psycho-dynamisches Erklärungsmodell. Mit diesem wird das Aufschieben als Symptom von Persönlichkeitsstörungen und neurotischen Konflikten, in der Angst vor Versagen, Erfolg, Alleinsein, Nähe, Ablehnung, Ärger, Wut, Perfektionismus, Abhängigkeit, Scham oder Selbstwert gesucht.
Das nun hat mit übertriebener oder mangelnder Häuslichkeit und mangelnder Ordnung in der Werkstatt im Keller nun wirklich nichts mehr zu tun.

What’s about “Elterngeld”…?

Wird die wirtschaftliche Stabilität von Familien besser?

Eine neues bewertendes Urteil bestätigt, dass das Elterngeld vielen Familien in deren Gründungsphase hilft. Es stabilisiert die Haushaltseinkommen und unterstützt den beruflichen Wiedereinstieg von Müttern. Diese Aussage trifft zum Spätsommer 2009 - und noch vor der Bundestagswahl - das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Ziel der Untersuchung 2009 - erhoben vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) - war es, längerfristige Effekte des Elterngeldes zu überprüfen. Dazu wurden Eltern befragt, deren Kinder Anfang 2007 geboren wurden.
Bevor das Elterngeld fließen konnte, verloren die meisten Eltern hohe Teile ihres Einkommens im Jahr nach der Geburt. Das nun habe sich geändert und werde von den Eltern auch bewusst wahrgenommen.
Mit jeweils 80 von 100 Eltern bewerteten diese das Haushaltseinkommen im Jahr nach der Geburt als (sehr) gut oder zumindest ausreichend. Vor der Geburt eines Kindes sagen das 86 Prozent.

Das Elterngeld gilt - so das RWI - als sozial ausgewogen: vom Elterngeld werden alle Einkommensgruppen begünstigt.
Durch das Mindest-Elterngeld und den Ausgleich für Geringverdiener und auch über den Höchstbetrag passen sich niedrige und hohen Einkommen einander an, was zur Folge hat, dass es im Jahr nach der Geburt mehr Haushalte in mittleren Einkommensgruppen gibt als es vor der Geburt der Fall war.

Eltern haben aber auch die Wahl: im ersten Elternjahr übernehmen 78 Prozent die Kinderbetreuung selbst und weitere 12 Prozent werden stundenweise unterstützt durch die Großeltern. Im Folgejahr nutzen 55 Prozent auch die externe Betreuung, im dritten Jahr sind es fast zwei Drittel.

Das Elterngeld unterstützt - gemeinsam mit dem Ausbau der Betreuung für die Unter-Dreijährigen - den Wiedereinstieg von Müttern ins Erwerbsleben. Bislang fehlen jedoch vor allem im zweiten Lebensjahr des Kindes notwendige Betreuungsplätze. Dies erschwert den Wiedereinstieg. Denn ein Fünftel der Mütter wäre gerne früher in den Beruf zurückgekehrt, hatte aber parallel dazu keine passende Betreuung. Jede achte Mutter würde gerne mit mehr Stunden pro Woche arbeiten.

Wahlfreiheit für Eltern

Das von der Bundesfamilienministerin für die kommende Legislatur angestrebte
Teilelterngeld soll und wird beiden Eltern einen gleitenden Wiedereinstieg in den Beruf
ermöglichen. Es erweitert die Flexibilität von Eltern. Dies ist wichtig, da auch
29 Prozent der Väter während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten. Das
Teilelterngeld schafft Wahlfreiheit auch für die Eltern, die sich gemeinsam stärker um den Nachwuchs kümmern wollen. Ein beruflicher Wiedereinstieg wird auch durch die Partner-Monate unterstützt: In Familien, in denen der Vater Elterngeld bezogen hat, liegt folglich die Erwerbstätigkeit von Müttern wesentlich höher als in Familien ohne Partnerantrag.

Zudem zeigt sich: Wenn Väter Elterngeld beziehen, verbringen sie mehr Zeit mit ihren Kindern und übernehmen einen höheren Betreuungsanteil. Väter mit Elterngeldbezug leisten im ersten Lebensjahr des Kindes im rechnerischen Durchschnitt 22 von 100 Stunden der Betreuung, ohne Elterngeldbezug sind es nur 8 Stunden von 100. Dieser
Unterschied verstärkt sich im zweiten Lebensjahr. Knapp die Hälfte der Befragten gaben an, die Elterngeldmonate würden sich positiv auf die Vater-Kind-Beziehung auswirken, was sich als “Vätermonate” wophl auch in der kommenden Legislatur als erfreulicher Trend verstärken werde , spekuliert Frau Ministerin von der Leyen.

Weiterhin gilt als erfreulich, dass sich junge Eltern wieder mehr Kinder wünschen. Jedes dritte Paar mit Bezug von Elterngeld hätte gerne drei und mehr Kinder. Fakt ist, das aktuell elf Prozent der Familien drei oder mehr Kinder haben. Der Wunsch nach Kindern bei jungen Eheleuten liegt heute rechnerisch bei 2,32 Kindern pro Familie. 2006 lagen sie für alle Familien noch bei 2,2 Kindern. Na, dann…