Monatsarchiv: Oktober 2009

Ungleiche Arbeitsentgelte - Gestörter Wettbewerbsfaktor

Auch wenn es den Bäckerei-Fachverkäufer eher nur selten bis gar nicht gibt, ist zweifelsfrei in allen anderen Sparten und Berufen festzustellen: Frauen verdienen in Deutschland fast ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit liegen deutsche Arbeitnehmer EU-weit im unteren Drittel eines zweifelhaften und bedenklichen Rankings.

Um diese Tatsachen erheblicher Entgelt-Lücken zu verringern, stellt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ab sofort (Oktober 2009) den Unternehmen einen Selbsttest zur Verfügung, die den finanziellen Ausgleich für geleistete Arbeit prüfen wollen.

Chefs, Vorgesetzte und Arbeitgeber können mit geringem Aufwand untersuchen, wie es sich damit verhält, dass Männern und Frauen unterschiedliche Löhne und Gehälter gezahlt werden. Das Programm “Logib-D” lässt sich spielend aus dem Internet (www.logib-d.de ) herunterladen. Aufgezeigt wird, inwieweit sich bestehende Unterschiede auf objektive Faktoren wie Ausbildung und Berufserfahrung zurückführen lassen.

Sozial und politisch wird die Forderung “Gleicher Lohn für Männer und Frauen” zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor. Mit Logib-D kann die Wirtschaft darin unterstützt werden, bestehende Entgelt-Unterschiede zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufzudecken und zu beseitigen.

Den Test anzuwenden, gilt als ist Vorteil für jene, die in Konkurrenz um
die besten Fachkräfte die Nase vorne haben wollen. Ministeriell wird dazu festgestellt, dass Arbeitgeber, die an diesem Test teilnehmen, klar erkennen lassen, dass ihnen die Chancengleichheit in ihrem Unternehmen wichtig ist. Gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen können davon überzeugt werden, dass diese in ihren Kompetenzen und Fähigkeiten auch honoriert werden.

“Logib” wurde zunächst in der Schweiz entwickelt und hat sich auch dort schon länger bewährt. Im Rahmen einer Feldphase wurde auch in Deutschland das Programm von zahlreichen Unternehmen erfolgreich getestet (Microsoft Deutschland GmbH, Marienhaus GmbH, Weleda AG, Universität Duisburg-Essen).

Finanziell unterstützt das Bundesministerium für Familie die Einführung von Logib auch damit, dass es interessierten Betrieben die Möglichkeit bietet, sich für die Teilnahme an einer kostenlosen Vergütungs-Beratung zu bewerben.
Dazu zählen zusätzliche Analysen mit Blick auf eine Bezahlung nach Gleichstellung und konkrete Tipps, wie eine solche im unternehmen umgesetzt werden kann.

weitere Informationen unter www.logib-d.de

Kluge Gefühle in Situation und Emotion

So mancher “Streithammel” merkt nicht, wann Schluss ist. Eine Feststellung, die auch in der Familie getroffen werden kann, wenn der Disput zwischen Alt und Jung dem unerwünschten Höhepunkt entgegen geht. Wenn ‘Emotionen kein Luxus sind, sondern komplexes Hilfsmittel im Alltag’, dann kann die noch wenig beschriebene ’situative Kompetenz’ dann auch noch ihren Beitrag leisten.

Für Neurologen ist längst einleuchtend, dass Emotionen etwas Besonderes und auch fürs ‘Überleben’ notwendig sind. Im Berufs- und Arbeitsleben gelten Emotionen zwar noch eher als unangebracht, doch macht sich die Erkenntnis breit, dass es ohne Gefühle nicht immer geht.
Für Entscheidungen, bei Verhandlungen oder in kommunikativ gefassten Konfliktsituationen bestimmen folglich nicht mehr nur Ratio, Logik und Verstand das individuelle Verhalten.

Ist vor 15 Jahren durch Daniel Goleman publik geworden, dass die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren, Probleme zu lösen und vernünftig zu handeln nicht nur durch das Denken, sondern auch durch Emotionen gesteuert wird, blieb die Frage unklar, wie das alles geschieht.
Im Zeitalter der “post-fordistischen Arbeits und Berufswelt” kann es sich nämlich keiner leisten, emotional als Trottel (Goleman) zu gelten. Das führte dazu, dass bisherige Qualifikationen um die emotionale und der situative Intelligenz zu ergänzen sind, egal, wie noch darüber diskutiert wird.

Wer, was, wie? Emotionale Intelligenz

Individuelles Verhalten wird meist unbewusst und dennoch stark von Emotionen bestimmt. Gefühle bestimmen damit, wie möglichst angemessen zu handeln ist.
Wer dabei für sich, seine Umgebung und aus der Situation heraus nützlich, wohlwollend und gekonnt handelt, der dar als emotional intelligent gelten.

Unterstellt man, dass emotionale Intelligenz eine (erlernbare) Fähigkeit ist, dann kann diese Fähigkeit das Denken unterstützen. Mit Gefühlen zu sich selbst, in der Wahrnehmung anderer sollte es dabei nützlich sein, zu verstehen und sinnvoll handeln. Sind Verstand und Gefühl des Individuums “kompatibel”, dann geben Emotionen die Denkrichtung an und sorgen dafür, Entscheidungen zu vereinfachen: eine oder mehrere Optionen werden ausgeschlossen und andere betont.

Nur fünf Komponenten…?!

Die Bausteine für emotionale Intelligenz sind nach Goleman als erstes
die Selbstwahrnehmung. Das ist der Mensch, wie er seine Stimmungen, seine Gefühle und Bedürfnisse versteht und akzeptiert. Die eigene Persönlichkeit zu kennen, beweist sich auch durch die Kompetenz, ob eigenes Handelns auf andere objektiv eingeschätzt werden kann.

Die Selbstregulierung gilt an Nummer zwei als das planvolle Handeln an Abhängigkeit von Zeit und Möglichkeiten. Wer Gefühle und Bedürfnisse nach Situation angemessen handhabt und konkreten Zielvorgabe unterordnet, ist auch situativ kompetent.

Als Empathie gilt die Fähigkeit die Gefühlswelt anderer wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren. Dabei sind auch non-verbale Äußerung beim Gegenüber zu erkennen, Bedürfnisse zu befriedigen und Konfliktpotential früh zu erkennen, zu mildern oder abzubauen.

Klar definiert ist die Motivation - die Fähigkeit, sich selbst und andere für konkrete Aufgaben zu begeistern.

Und schließlich schafft es die soziale Kompetenz Kontakte zu knüpfen und tragfähige Strukturen aufzubauen. Dies nun erfordert ein Netzwerk und ein Management guter Beziehungen und deren Pflege.

Emotion in Beruf und Arbeit

Ob Stelleninhaber, Vorgesetzter oder Leitbild anderer Art - die Kompetenz zum Management der eigenen Persönlichkeit wird in moderne Zeiten stark gefordert. Ständig wechselnde Aufgaben und Inhalte verlangen vom Einzelnen viel an sozialen Kompetenzen.
Im sozialen Alltags-Geflecht nach Situation rational bei guter Emotion zu handeln heißt dann auch Individualität zu zeigen und kreative Impulse zu setzen.
Global denken und vor Ort handeln, heißt auch, sich offen für Kulturen, Philosophien und Erwartungen zu zeigen, was dann auch Einfühlung und Konfliktfähigkeit erfordert.

Fazit: Emotional intelligente Mitarbeiter zeichnen sich aus durch hohes und stabiles Selbstbewusstsein, Belastbarkeit, Eigenverantwortung und Bewusstsein für das Ziel zugunsten aller Interessen.

Reisen bildet - Lesen aber auch…

Kids, die lesen, starten besser!

“Lesen ist wie tot..!” , meinte vor mehr als zwei Jahrzehnten die heute 33 jährige. Und dabei hatte sie dermaßen viel Phantasie, dass sie eigene Geschichten erfand und diese auch abends ihrem Papa zum Besten gab. Astrein gesprochen und ohne hudelige Grammatik. Aus der Oberstufe dann eine ähnliche Schilderung, die auch schon mal für Lehrerhaushalte gelten können. Immer, wenn ein historischer Sachverhalt schulisch zu “erlesen” war, blieb die Abneigung groß, dass Vater dazu mindestens ein Buch hatte…

Längst ist klar: Kinder, die gerne lesen, haben Erfolg in der Schule. Knappe Erkenntnis aus der Studie “Lesesozialisation von Kindern in der Familie” der Stiftung Lesen, die ministeriell beauftragt und erstellt wurde.
Was dabei aber auch heraus kam, ist die Tatsache, dass “Lesefreude” nur bei wenigen Eltern als wirklich nachhaltiges Erziehungsziel gilt.

Dass ihnen der Unterricht falle, bemerken dann aber doch überdurchschnittlich viele Kinder aus verschiedenen Elternhäusern, denen eines gemeinsam ist: Sie lesen gerne.
Interessant dabei, dass Kinder, die gerne lesen und aus sozial schwächeren Elternhäusern stammen, sogar deutlich selbstbewusster sind als jene, denen es wirtschaftlich zweifelsfrei besser geht.
Für 45 von jeweils 100 Befragten ist klar: der Unterricht ist mit Lesen kein Problem.
Bei Lesefans aus höherer sozialer Schichtung gilt dies allerdings nur für 39 von 100 Schülern der Stichprobe mit 3000 Kindern von neun bis 13
Jahren. Mit dabei auch Eltern, die sich im Rahmen der größten Leselaufbahn-Untersuchung seit über 20 Jahren befragen ließen.

Lesen gegen Bildungsarmut

Wieweit es absolut ist, dass Lesen macht Spaß und Tore aufstößt, damit sich die Phantasie der Kinder entfalten kann, mag im Einzelfall umstritten bleiben. Doch Lesen ist auf jeden Fall bestens geeignet, Nachteile von Kindern aus bildungsärmeren Schichten auszugleichen.
Aufgebrochen wird auch die schlummernde Bestimmung, dass Bildungsarmut von einer auf die nächste Generation vererbt wird. Wenn nur erst auch Eltern dier wichtigen Leitbilder ihrer Kinder bleiben oder sie es werden, damit sie den größten Einfluss darauf haben, wie sehr sich ihr Kind für Bücher interessiert.

Wie schön kann es sein, vorzulesen oder vorgelesen zu bekommen. Wenn die Lust am Lesen erst einmal geweckt ist, dann entwickelt sich auch die Lesekompetenz wie nebenbei. Ein Vorsprung für den Einzelnen, der ein ganzes Leben halten kann.
Über die “Lesesozialisation von Kindern in der Familie” darf hochgerechnet werden, dass 84 Prozent der Eltern es als wichtig für die Entwicklung eines Kindes ansehen, wenn es viel liest. Noch vor 20 Jahren waren es lediglich 55 von 100 Eltermn, die dies so sahen.
Lesen, so die Mehrheit in ihrer klaren Vorstellung, fördert das selbstständige Denken und hilft auch Zusammenhänge zu erkennen.

Lesen als Erziehungsziel

Jetzt darf eine solche Entwicklung jedoch nicht stagnieren. Denn 1988 waren noch 45 von 100 Eltern der Meinung, Lesefreude sei ein wichtiges Erziehungsziel, doch 20 Jahre später sind es nur drei Eltern mehr.
Warum gerade bei den Eltern unter 30 sich ein Leseerziehungs-Skepsis abzeichnet mag an den digital modernen Zeiten liegen in denen die jungen Eltern groß wurden. Reifere Eltern über 30 sehen in ihrer Mehrheit, dass man Lesefreude bei Kindern auf jeden Fall beeinflussen kann.
Frage bleibt natürlich: Was wäre, wenn Karl May und Enid Blyton heute gelebt und geschrieben und veröffentlicht hätten statt in der fernseharmen Zeit in den 50-ern des vorigen Jahrhunderts…

Der Mann - schwach, aber mit mehr Hirn!

Mann, Mann, Mann … und noch ein Buch über den Mann! Nach “Der Mann 2000 - die Hormon-Revolution” (Wien 1999, Mery-Metka-Kindel) und “Männer - eine Spezies wird besichtigt” (2001, Schwanitz) scheint das zweite der beiden Geschlechter noch immer nicht ordentlich genug entdeckt.

Wie nämlich wird man ein Mann oder anders: Wie wird aus dem, was ein Mann werden könnte, schließlich das, wofür sich der Betreffende aufgrund seines Geschlechtsteils hält? Die Frage stellt der Neurobiologe Gerald Hüther, Göttingen, in einem weiteren Männerbuch.

Die Kenfrage: Was ist es, wofür sich kleine Buben, halbstarke Jugendliche und das gesamte männlichen Geschlechts besonders begeistern? Was soll all ihr Tun, was Mädchen im selben Alter so ziemlich “wurscht” ist?
Geht man davon aus, dass Männer anders motiviert sind und sie ihre Denke anders einsetzen, bekommen sie dadurch dann auch ein anderes Gehirn. Würden sich Männer nicht ständig dem Wettbewerb und den Konkurrenten stellen, sondern “angelegte Potenziale” entfalten, würde die Wandlung zur Mannwerdung ohne ihn als ein ’schwaches Geschlecht’ auskommen.

Es sind die Hirnhälften…

Wie nun entwickeln sich “Hirn” und was unterscheidet dabei Mann und Frau? Für Hüther klärt das ein recht zweifelhaftes Beispiel: weil Männer ganz früh und im weiteren Lebens ihr Gehirn anders benutzen als Frauen, reife es und strukturiere es sich auch anders. Es wird meist etwas größer, hat
weniger Furchen und der Balken zwischen beiden Hirnhälften ist dünner.
Das mache die Hirnhälften stärker, spezialisiere für bestimmte Aufgaben und funktioniere dann auch anders. In der Folge können Männer manches besser, anderes weniger gut.
Und weil beim Mann das Testosteron schon vor der Geburt eine Rolle spiele, kämen Jungs mit mehr Antrieb aber auch mit weniger innerer Harmonie zur Welt.
Wenn ein Gehirn dann noch durch ein eigenes Signalmuster geformt werde, werde das Gehirn des Mannes optimal für ihn und das der Frau für sie.
Das wird und bleibt so, auch wenn Eltern Jungen und Mädchen gleich behandeln, weil Jungs sich eben an männlichen Vorbildern orientieren und auch auf diese Weise ihre männliche Identität finden …und wohl auch umgekehrt!

Männer werden spezifischer!

Wer sich also nur lange genug “männlich interessiert”, der forme und schalte seine Nervenzellen immer besser für eine bevorzugte Nutzung. Das Gehirn speichere genau die Funktionen, über die man genau das eine immer besser, alles andere aber schlechter könne: kommunizieren, zuhören, bügeln, Kinder hüten.
Männer werden also spezifischer, fangen früh damit an, wenn sie noch konstitutionell schwächer sind, wenn sie Halt nach außen suchen und sie auch bald anerkannt sein wollen.
Was aber macht den Mann zum ’schwachen Geschlecht’? Nach Hüther hängt dies damit zusammen, dass ihnen ein zweites X-Chromosom fehlt und sie bereits bei der Geburt empfindlicher und anfälliger sind als Mädchen.

Später sind auch besser in der Schule, was zur Sorge um die Männer von morgen beiträgt. Die Fehlentwicklung bei Jungs ist inzwischen auffällig; ihnen fehlen Aufgaben, um daran zu wachsen, Schlüssel-Qualifikationen bleiben zurück, die Individuum reift schwächer. Um sich kennen zu lernen, fehlen Herausforderung oder Abenteuer. Da sind dann Gemeinschaften gut - meist Clique, Mannschaft oder ‘Gang’ - die einen bergen und zugehörig machen.
Grundsätzlich jedoch fehlen erwachsene Männer, die gut im Leben stehen: mutig, stark, aktiv, dominant. Ist also der frühere Mann ein Auslaufmodell oder kann man Mann lernen?

Welcher Mann ist in, welcher out?

Bedeutsam, wichtig und geschätzt zu sein und Halt zu bieten, ist für Männer heutzutage sehr schwer geworden. Die Rollen zu finden, in denen man anerkannt wird, geachtet und nachahmenswert, sind eher “out” oder werden inzwischen von Frauen äußerst gekonnt besetzt.
Das nun macht Männer unsicher, sie suchen - nicht im Außen, sondern im Innen, bei sich selbst. So sollte der eigentlich moderne Mann seine Stärken nutzen und anderen helfen, doch statt dessen üben alleingelassene Jungs, andere in die Pfanne zu hauen und fertig zu machen.
Wie aber läuft des Mannes Sozialisation im fortschreitenden Alter günstig weiter?
Man(n) kann sich ändern, man(n) kann sein Hirn noch einmal ganz anders benutzen als bisher, so der Wissenschaftler. Veränderte Verschaltungsmuster sollen Spaß machen und glücklicher machen. Als Ergebnis kann sich einstellend, dass “der Mann” für sich feststellt: das war ein Tag, an dem es gelang Menschen einzuladen, zu ermutigen oder gar zu inspirieren. Alles in allem alles positiver zu machen als bisher, zu entdecken, was in einem steckt und was es heißt, eigene Potenziale wirklich zu entfalten.
Fazit: Man(n) muss das wohl nur auch wollen…

Chefs sind auch nur Menschen - Folge II

Vom Sachlichen, dem Theatralischen und dem Depressiven

“Ich wär’ auch als Lehrer Chef…! Der dies mitten im Berufsleben sagte, war damals mit knapp über 50 gerade Chef-Arzt geworden. Lässt man das Einkommen mal außer Betracht, könnte so manch anderer auch den Chef geben, doch ob man dies nun will oder eben nicht, ist eine Frage der Persönlichkeit oder auch der Frage: Brauch’ ich das zu meinem Ego…?

Der Sachliche - Fakten, Fakten, Fakten

Chefs sind sachliche Typen, wenn ihr Büro neutral ist, dazu kühl und unpersönlich. Ohne dass seine Kleidung eine persönliche Note erkennen lässt, verhält sich ein solcher Chef sachlich distanziert, unpersönlich und ohne Emotionen. Ratschläge des Chefs sind selten.
Beruflich wie privat wird alles nüchtern und rational betrachtet; Interesse wird nur durch Fakten und Ergebnissen geweckt.
Sachlagen werden nie emotional betrachtet, genauso wenig, wie wenn ein Ergebnis als negativ gelten muss. Scheitert ein Projekt, ist dies dem nüchternen Chef unverständlich und suspekt. Einziger Vorteil: Konflikte werden nach Fakten und nicht nach Gefühl entschieden.
Wer also freundlich und distanziert bleibt, wer den Small-Talk vermeidet und sich gut vorbereitet zeigt, wer termintreu arbeitet, der kann auch beim sachlichen Chef punkten. Aber nicht vergessen: handfeste, gesicherte Fakten markieren Sachlichkeit und in der Kleidung möglichst unauffällig bleiben.

Der Theatralische - Drehbuch im Büro

Vermittelt das Chef-Zimmer, dass hier wohl ein Genie die Strippen zieht, dann erkennen die Mitarbeiter mit emotionaler Intelligenz, dass die auffallende, unkonventionelle und lässige Kleidung den Künstler, den Kreativen vermuten lässt.
Wer als Chef große Gesten liebt, gern in Superlativen spricht, er ein übertrieben herzliches, ja väterliches oder liebevoll freundschaftliches Verhältnis zu Kollegen pflegt, dann kann das alles Fassade in guten Zeiten sein. Denn in kritischen Situationen wird das Verhalten schnell geändert, zieht sich das Alpha-Tier zurück und schiebt den Schwarzen Peter von sich…Dann will man auch keine PR haben. Solche Chefs zählen zu den theatralischen Personen: Humor und Trauer, Liebe und Herzschmerz, Wärme und Kälte, Freud und Leid…schnelle Szenenwechsel, abrupte Schnitte oder schlichtes Vergessen bestimmen das Drehbuch.
Nichts ist schlimmer, als diesen Typ Chef in seiner Eitelkeit zu kränken, besser ist grundsätzlich Bewunderung für seine Ideen auszusprechen. Und ja keine Langeweile aufkommen lassen oder ihn mit einem “Graue-Maus“-Image konfrontieren und ihm gar die Schau stehlen mit dem flippigen Dress des kleinen Angestellten.

Tief im Tal: das Alphatier

Ein Chef als Depri? - Ein Büro, ohne dass es Autorität ausstrahlt? Ungeordnete die Gegenstände, Verwelktes auf der Fensterbank, die Ausstattung gewürfelt oder lieblos, der Raum immer abgedunkelt, die Atmosphäre gedrückt…? Dazu noch Kleidung ohne eigentliches Äußeres?
Die Nummer 1 wenig entscheidungsfreudig, schnell überfordert? Bei Konflikten eher hilflos, ohne sich für die Mitarbeiter auszusprechen? Dann will er nicht nur nicht - er kann nicht!
Bei Personen mit depressiver Neigung paart sich Angst vor den Folgen mit der Vermeidungsstrategie; es wird eher delegiert, Kritik wird aus dem Weg gegangen, weil diese sich auf die eigene Person beziehen könnte. Um dennoch Harmonie bei reibungslosem Arbeitsverlauf zu spüren, geben Depri-Chefs den Mitarbeitern meist zuviel an Freiheiten, was fatal werden kann.
Denn braucht allein der Mitarbeiter viel an Selbstbewusstsein, darf man sich dabei nicht von schwachem Antrieb und lustloser Entscheidung anstecken lassen
Da hilft es, gelassen zu bleiben, ruhig, freundlich und mit angemessener Motivation ran zu gehen.
Was Depri-Chefs nicht spüren dürfen: Mitleid oder mangelnden Respekt. Denn das könnte ein Autoritätsproblem auslösen..

Auf keinen Fall sich selbst verbiegen!

Egal, wie der Chef sich darstellt, man darf sich nicht veranlasst sehen sich zu verbiegen. Die Arbeitshaltung bleibt konstant, gute Argumente und messbare Erfolge sind überzeugend. Falls alle Toleranz und Anstrengung scheitert, mag es gut sein, die Konsequenzen zu ziehen. Doch eines ist auch klar: Chefs haben eingestellt, und dafür gab es sicher mehr als einen guten Grund. Deshalb kann es günstig sein, die Situationen zu bedenken, wie man mit der eigenen Art und der des Chefs am besten zurecht kommt.

Chefs sind auch nur Menschen…

… aber was für welche…??!! Folge I

Die meisten werden es unter vier Augen zugeben: Chefs sind meist nicht sonderlich gut gelitten. Nun erleichtert es vor allem die berufliche Situation, wenn man weiß, wen man neben sich, über sich und vor sich hat. Soziale und situative Kompetenz kann günstig umgesetzt werden, um zu ereichen, was man will oder auch was man nicht will. Wer weiß, “wie Chefs ticken”, versetzt sich in die Lage, Konflikte zu entschärfen oder diese zu vermeiden. Kennt und erkennt man als Chef die von Chefs praktizierten Verhaltensmuster selbst, kann man Missverständnisse beseitigen und jenes Verhalten ändern, mit dem man gar nicht der Typ Chef sein will oder für den man gehalten wird.

Wo nun kann man Chefs am besten erkennen? Natürlich im Beruf! Dort wo Person und Persönlichkeit durch die Ausstattung im Büro, mit der Kleidung und dem Verhalten zu erkennen sind.
Zählt man auf die ‘psychoanalytischen Persönlichkeits- und Charakterlehre’, dann ist kein Individuum nur einer Kategorie zuzuordnen. Wer klug hinschaut, kann jene Akzente erkennen, die das Chef-Verhalten bestimmen. Wer situative Intelligenz beweist, der kann darauf reagieren.

Ei, was ist er gut! - Der Narziss

Wer Urkunden, Pokale, Auszeichnungen oder Fotos von sich mit wichtigen Personen zu Schau stellt, wer stets wirkt, wie frisch rasiert, wer Äußerlichkeiten zur persönlichen Note erklärt, wer sich gern reden hört - am liebsten über sich - s er und am liebsten über sich - dann liegt die Selbstverliebtheit eines Narziss zugrunde. Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten.
Die Kritikfähigkeit bleibt auf der Strecke, Schuld zuzuweisen gilt als Taktik, die eigene Person ist unfehlbar.
Wer dagegen mit zuviel an eigener Kompetenz aufwartet, wer gar überlegen ist oder wer den Eindruck erweckt, dass er bloßstellt, der wird es mit seiner Karriere beim bisherigen Chef schwer haben..
Da geziemt es sich in Gegenwart des Chefs, eher diesem hohe Bewunderung, zu vermitteln, sogar in Haltung und mit wohl gesetztem Duktus. Ohne sich anzubiedern versteht sich. Und Ideen, Ideen kommen immer nur vom Chef!
Und Probleme, die löst zweifelsfrei er, auch wenn sie ihm eigentlich zu schwer sind.
Mit Kritik sollte man warten, bis der Chef auf Höhe 100 ist; dann ist die beste Zeit hieb- und stichfest die Sachlage vorzutragen ohne das Chef-Ego zu verletzen.

Zwanghaft, ohne anders zu können

Oft haben Chefs studiert, das muss nicht so gewesen sein, das kann! In der Folge bleiben manche Chefs spartanisch und minimalistisch wie schon mal ein Streber in dessen Studentenbude: nüchtern und karg, dafür sauber und aufgeräumt.
Was drin steht im Chef-Büro bleibt unverrückbar an stets derselben Stelle? Bücher und Ordner, Bleistifte, Lineal und das Bild von der Familie auf Linie!
Dazu die Kleidung mehr als korrekt, scharf gebügelt und gestärkt und insgesamt traditionell bis konservativ. Da kann es schon mal zu Irritationen kommen, wenn Mitarbeiter in ihrem “Dress-Code” etwas lockerer gepolt sind.
Zwanghaft kann auch des Chefs Pünktlichkeit sein, woraus er erwartet, dass dies auch die Mitarbeitern praktizieren. Führt er dann noch mit seinem “management by objectives”, dann gibt es keine Ausnahme ohne Regel und umgekehrt.
Dann aber Achtung! Dieser Chef zählt zu den Zwanghaften: Disziplin, Kontroll-Manie, gleicher Ablauf bei ewig gleichen Vorgängen. Um Gottes Willen keine Abweichung vom Protokoll, das wäre ’sacro sanct’. Doch auch wenn das Arbeitsklima darunter leidet und Kreativität verpufft : Problem zu lösen ist bei Chef-Präsenz unerwünscht.
Wer die Macken des Chefs kennt und sich ihnen anpasst, wer Verhaltensweisen vermeidet, die irritieren, wer die Zeit nutzt und mit der Kleidung nicht auffällt, der wird das Gefühl vermitteln: Meinem Chef biete ich keine unangenehmen Überraschungen. Situationen bleiben für ihn immer berechenbar.
Bleiben Gespräche informativ, ohne zum spontanen Brainstorming zu werden, auch wenn es der Sache gut täte, lassen sich Ideen auch dann vermitteln, wenn die Chef-Art in ihrem Wesen eher einer Eigenart entspricht (Fortsetzung folgt).